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Die Nerds

Shelly & Laura: 15, extrem cool, etwas komisch, lustig
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online seit 03/02/09
last update: 03/02/09

Drugs

Teardrops ist unsere selbstgeschriebene Geschichte. (:  

 

Teardrops

Prolog

Michelle

Die Hexe streckte ihre Arme nach vorne aus und ein gewaltiger Schwall von Wasser kam auf uns zu. Wir wären ertrunken und ich nahm Laura schützend in meine Arme & flüsterte ihr zu „Ich liebe dich, Laura, Ich liebe dich, Schwester." Doch das Wasser kam nicht auf uns zu. Kurz hörte man einen dumpfen Knall, dann ein Lachen, und dann war alles ruhig. Ich traute mich nicht die Augen zu öffnen, doch als ich es dann tat, wünschte ich mir, sie nie geöffnet zu haben. Das komplette Wasser von unserem See war weg. Ausgesogen. Und in der Mitte lagen zwei Menschen. Ryan und Brooklyn. Laura fing an zu schreien, stolperte hoch und rannte zu Brooklyn. Ich saß kurz da, dann rannte ich zu Ryan. Ich fiel auf die Knie und streichelte sein Gesicht.

Er rührte sich nicht. „Heei, Ryan, werd wach. Bitte, los. Du musst wachwerden, hörst du." Die beiden hatten ihr Leben geopfert um uns zu retten. Ich schaute kurz zu Laura rüber. Sie hatte den Kopf auf Brooklyns Brust gelegt. Mit der einen Hand hielt sie seine mit der anderen streichelte auch sie ihm über die Wange. „Ryan, hörst du mich? Bitte du musst wach werden. Du kannst mich nicht alleine lassen, bitte." Ich fing an zu weinen, dann schrie ich. „Nein, nein, nein!" Laura kam zu mir herüber. Auch sie hatte Tränen in den Augen. Sie nahm mich in den Arm. „Dafür wird sie büßen." Sagte Laura voller Hass. „Das war noch lange nicht das Ende.

Kapitel 1 - Neues Zuhause

Laura

In regelmäßigen Abständen tropfte der Regen von den Blättern die ich geistesabwesend beobachtete. Nun war ich hier. Hambleton, West Virginia. Ein 250 Menschen Kaff. Bis zu meinem 15. Geburtstag lebte ich in einem Waisenheim. Was mit meinen Eltern passiert war, wusste ich nicht. Seit meiner Geburt wuchs ich in diesem Heim auf. Dann vor zwei Wochen tauchte das Ehepaar Davis auf. Beide waren in der Mitte der Vierziger und Mrs. Davis, Charlotte, konnte keine eigenen Kinder bekommen. Deshalb entschieden sie sich für eine Adoption. Dieses Adoptivkind war ich. Widerwillig wurde ich mitgenommen und lebte jetzt in der vollkommenden Einöde. Zur Schule musste ich in die nächstgrößte Stadt, Buckhannon, die aber auch nur 5000 Einwohner hatte. Ich brauchte jeden morgen eine Stunde mit dem Bus. Die meisten Leute aus meiner Klasse kannten sich seit ihrer Kindheit und für ein merkwürdiges Mädchen aus der Großstadt war hier ganz bestimmt kein Platz. Doch das machte mir nichts aus. Ich konnte mich noch nie gut einfügen und war schon immer eine Einzelgängerin gewesen.

„Laura?", eine vertraute Stimme ertönte von hinten. Ich zuckte kurz zusammen, als ich von meiner neuen Schwester Michelle aus meinen Tagträumen gerissen wurde. „gleich gibt’s Essen, Ok?" Sie lächelte mich an.

Michelle war schon vorher von den Davis’ adoptiert worden und in meinem Alter. Sie war fast ein Jahr älter als ich, aber wir waren trotzdem noch im selben Jahrgang. Seit meiner Ankunft kümmerte sie sich rührend um mich. Sie versuchte sogar dafür zu Sorgen, dass ich in der Schule Anschluss fand. Bisher war es ihr noch nicht gelungen, aber das war mehr meine Schuld, als ihre. Aus irgendeinem Grund wollte ich gar keine Freunde finden.

Ich schaute über meine Schulter zu ihr. „Danke, ich komm’ sofort." Ich lächelte ein wenig. Ich versuchte es zumindest. Zwei Wochen war ich nun schon hier und eingewöhnt hatte ich mich immer nicht. Normalerweise war ich sehr flexibel und Veränderungen machten mir nichts aus. Doch dieses Mal war es anders. Von diesem Dorf ging eine Aura aus, die mich sehr beunruhigte. Seit meiner Ankunft träumte ich die verrücktesten Dinge. Mir war immer und überall kalt und ich hatte fast durchgehend Kopfschmerzen. Zum Glück konnte ich es sehr gut verbergen, wenn mich Schmerzen bedrückten. Andernfalls würde ich mit Sicherheit in meinem Bett liegen und irgendeinen Tee zu trinken bekommen. Charlotte war eine richtige Übermutter. Es war niedlich, wie sehr sie sich um mich kümmerte.

„Morgen gehen wir mit Ruby, Ethan und Blake nach der Schule Pizza essen, ja? Vergiss das nicht!" Da war es wieder. Sie wollte mich in ihren Freundeskreis einfügen. Ich empfand es nicht als störend. Es war nicht lästig, doch es fiel mir immer öfter auf.

Ich nickte.

Besonders freute ich mich nicht.

Ruby war in Ordnung. Ein nettes Mädchen von nebenan. Sie redete viel und gerne. Das hatte ich schon an meinem ersten Tag zu spüren bekommen, als ich beim Mittagessen neben ihr saß. Fast ununterbrochen plapperte sie vom neusten Schulklatsch und ich war sofort auf dem neusten Stand. Ich hatte keine Ahnung, wer die Leute waren, von denen sie sprach, aber ich kannte nun ihre gesamte Lebensgeschichte. Auf jeden Fall war Ruby mir von Anfang an sympathisch.

Von Ethan hatte ich noch keinen deutlichen Eindruck. Er war sehr schüchtern und redete nicht viel. In den ersten Tagen dachte ich, es läge an mir, doch Michelle meinte, für ihn wäre es normal. Ich hatte mir vorgenommen, mich in den kommenden Tagen etwas mehr mit ihm zu befassen und ein richtiges Gespräch mit ihm zu führen. Mit Worten. Nicht nur mit Nicken und Kopfschütteln, so wie er es normalerweise machte.

Mit den beiden hatte ich kein Problem. Doch Blake schien von dem ersten Augenblick an eine tiefe Abneigung gegen mich zu haben. Er redete nicht mit mir und ignorierte mich, wenn ich in der Nähe war. Bis jetzt hatte ich nur ein paar Male bemerkt, dass er mich mit einem hasserfüllten Blick anschaute. Ich wusste nicht recht, ob ich Michelle nach ihm fragen sollte. Sie hatte bis jetzt von der ganzen Sache nichts mitbekommen.

Vielleicht sollte ich Ruby fragen. Sie würde mir sicher ein Geschichten dazu erzählen.

Ich schaute noch ein letztes mal auf die Tropfen, die von den Blättern fielen, stand auf und seufzte leise. Ich hätte gern noch etwas länger dort gesessen und nachgedacht. Über mich, über meine neue Familie. Und über die verwirrenden Träume, dich ich jede Nacht hatte.

Ich schauderte.

Ich hatte Angst davor, heute wieder zu träumen.

Mit langsamen schlurfenden Schritten ging ich durch den Garten zurück zur Hintertür, die direkt in die Küche führte. Charlottes und Mikels, Mr. Davis, Haus war schön. Es hatte eine weiße Fassade und hellblaue Türen und Fensterrahmen. Der Lack blätterte an vielen Stellen ab, so dass es etwas verkommen aussah, trotzdem strahlte es für mich dieses Gefühl von „Zuhause" aus. Ich legte meine Hand auf den alten Türknauf und öffnete die Tür.

Meine Nase wurde erfüllt von einem wunderbaren Duft. Charlotte hatte wieder frisches Brot gebacken, so wie jeden Mittwoch. Sie war eine fantastische Köchin. Die meisten ihrer Rezepte hatte sie selbst zusammengestellt und die ganze Nachbarschaft kannte sie. Doch keiner konnte es so zubereiten wie sie selbst. Das sagten zumindest Mikel und Michelle.

„Liebes, da bist du ja wieder! Setz dich schnell an die Heizung, dir ist bestimmt ganz kalt!"

Ich liebte es, wenn sie so mit mir umging, wie eine echte Mutter, eine bessere konnte sich niemand wünschen. Charlotte sah für ihr Alter noch recht jung aus. Sie hatte dunkles lockiges Haar, welches ihr bis kurz unter das Kinn ging und immer ein Lächeln auf den Lippen. Wenn ich sie ansah wurde mein Herz immer ganz weich. Bei ihr konnte man sich nur geborgen fühlen, alles andere wäre unverständlich.

Sie zog mich sanft am Arm zu einem Stuhl, ganz nah an der Heizung. Ich setzte mich und fing an zu zittern. Ich hatte gar nicht bemerkt, wie kalt mir eigentlich war. Schnell rückte ich noch näher an die Heizung. Charlotte deckte weiter den Tisch, während ich mich schonwiedereinmal im Raum umsah. Alles war so liebevoll und niedlich eingerichtet. Es wirkte sehr gemütlich.

Plötzlich kam Michelle in die Küche gelaufen. „Ist das Brot schon kalt? Ich hab Hunger!"

Sie grinste.

„Nein, da musst du noch ein paar Minuten warten, Michelle. Ich möchte nicht, dass du dir den Magen verdirbst." Michelle grummelte etwas und wendete sich dann mir zu. „Hast du deine Hausaufgaben alle gemacht? Ich kann dir in Mathe helfen, wenn du möchtest." Ich schüttelte leicht meinen Kopf. „Ich bin fertig, aber trotzdem Danke. Ich denke, morgen musst du mir wieder helfen. Mr. Gabriels meinte wir würden ein neues Thema anfangen." Ich verzog das Gesicht. Mathe war nie eine meiner großen Stärken gewesen.

„Klar, das mach ich doch gerne."

Charlotte drehte sich zu uns um. „Michelle? Holst du bitte Mikel? Das essen ist immerhin gleich fertig." Sie nickte kurz und verschwand dann ins Wohnzimmer, wo Mikel fernsah. Wenige Augenblicke kam sie zurück und Mikel ging ihr hinterher. „Das duftet wunderbar, Charlotte." Er schloss die Augen und atmete tief durch die Nase ein. „Du machst mich ja ganz verlegen!" Sie lief etwas rot an und lachte.

Das Abendessen war ruhig und normal. Ich hatte nicht viel Hunger und aß nur eine Scheibe Brot. Wenn ich auch nur ans Schlafen dachte, wurde mir ganz mulmig zumute. Eigentlich waren die Träume nicht schlimm. Eher im Gegenteil, sie waren faszinierend und auch bunt, doch aus irgendeinem Grunde schüchterten sie mich ein. Ich entschuldigte mich und ging nach oben. In diesem Haus hatte ich sogar mein eigenes Zimmer. Im Waisenheim hatte ich mir immer ein Zimmer mit anderen Mädchen teilen müssen. Ich mochte mein Zimmer sehr. Die Wände hatten eine angenehme Cremefarbe. Die Möbelstücke waren alle aufeinander abgestimmt. Ich legte mich auf mein Bett und schloss die Augen.

Meine Kopfschmerzen wurden schlimmer.

Doch dann richtete ich mich wieder auf. Ich wollte nicht schlafen. Noch nicht jetzt. Ich stand auf und hatte so ein starkes Schwindelgefühl, dass ich mich wieder auf mein Bett setzen musste. Stöhnend hielt ich mir eine Hand an die Stirn und stand wieder auf. Dieses Mal langsamer. Etwas unsicher lief ich zum Schreibtisch und fing an meine Schultasche für den nächsten Tag zu packen. Leider ließ es sich schneller erledigen, als ich gehofft hatte. Ich gab auf mit dem Versuch Zeit zu schinden und zog mich um. Mürrisch ging ich nebenan ins Badezimmer und putzte mir die Zähne. Ich betrachtete mich im Spiegel. Hatte sich etwas geändert, seit ich hier war? Ich schaute genauer. Ich stellte fest, dass alles noch genau so war wie vorher. Ich wusste nicht, ob ich mich freuen oder traurig sein sollte. Einerseits mochte ich mein Aussehen, aber andererseits fiel es mir ganz schön auf die Nerven. Ich sah so brav aus, richtig unscheinbar. Das blonde, leicht gelockte Haar, die blauen Augen und dann auch noch diese Brille. Meiner Meinung nach brauchte ich dringend eine Veränderung. Als erstes wollte ich mir Kontaktlinsen zulegen. Ich fand mich ohne Brille wesentlich hübscher.

Ich seufzte leise und ging zurück in mein Zimmer und ließ die Jalousie herunter. Gleich darauf legte ich mich ins Bett und schloss die Augen. Da ich sehr müde war, zweifelte ich nicht daran, dass ich bereits nach ein paar Minuten einschlafen würde. Ich konzentrierte mich auf meinen Atem und schlief langsam und ruhig ein.

Und ich tauchte tief ein in das Reich der Träume. Plötzlich stand ich am Ufer eines Sees. Das Wasser sah schwarz aus und eine leichte Brise ließ die Wasseroberfläche erzittern. Überall auf dem Wasser und am Ufer waren glänzende blaue und grüne Schleier die im Wind tanzten. Hier war ich in meinen letzten Träumen bereits gewesen. Ich sah mich um. An allen Seiten um mich herum war ein dunkler Wald. Er hatte etwas bedrohliches an sich. Ich schaute wieder zum See. Nun waren leise Gesänge zu hören, die langsam lauter wurden. Je lauter sie wurden, desto mehr verspürte ich den Drang in das schwarze Wasser einzutauchen. Vorsichtig machte ich einen Schritte auf den See zu und versuchte nicht auf dem feuchten Moos auszurutschen. Ich hockte mich ganz nah ans Ufer und streckte meine rechte Hand aus um das Wasser zu berühren, als ich Schritte hinter mir hörte. Sofort drehte ich mich um und sah zwei Jungs hinter mir. Sie waren unbeschreiblich. Ich hatte in meinem gesamten Leben noch nie schönere Menschen gesehen. Ihre Perfektion überwältigte mich so sehr, das mir der Mund nach unten klappte und ich nichts mehr sagen konnte. Wie alt sie wohl waren? Ich schätze die auf ungefähr siebzehn. Der größere hatte dunkles Haar und der kleinere war blond. Ihr Gesichter waren geradezu makellos. Natürlich war ich ihnen schon in meinen früheren Träumen begegnet, doch sie faszinierten mich jedes Mal aufs Neue. Das Schönste, wenn auch Merkwürdigste an ihnen waren ihre Augen. So ein leuchtendes grün hatte ich noch nie zuvor gesehen. Ich kannte Menschen mit grünen Augen, doch diese hier waren so ungewöhnlich wie keine anderen. Sie sahen zu mir runter und bewegten sich nicht. Langsam stellte ich mich wieder richtig hin. Meine Knie begannen zu zittern. Der blonde Junge trat zu mir hervor. Er schaute mir tief in die Augen und hob seine Hand. Sanft strich er mir von der Schläfe bis zum Kinn. Diese Berührung ließ meinen Atem verstummen. „Flieh.", sagte mit einer liebevollen Stimme. Er drehte sich um und ging, ohne mich noch einmal anzuschauen, zusammen mit dem anderen Jungen in den Wald zurück. Mein Atem setzte mit einem Keuchen wieder ein und mein Herzschlag geriet völlig außer Kontrolle. Noch nie zuvor hatte er mit mir gesprochen, geschweige denn berührt! Ich fiel auf die Knie und alles fing an sich zu drehen.

Ich wurde aus meinem Traum gerissen und setzte mich sofort auf. Keuchend schaut ich mich um. Aus den Augenwinkeln konnte ich meinen Wecker sehen. Es war Zeit zum Aufstehen.

Kapitel 2 - Geständnisse

Michelle

„Flieh." Dieses einfache Wort mit doch so vielen Bedeutungen hallte in meinem Kopf. Dann wachte ich auf. Ich hatte schon wieder so einen verwirrenden Traum gehabt. Aber diesesmal schien er noch realer zu sein als die letzten Male. Da waren diese wunderschönen Jungen und sie hatten diese faszinierenden, grünen Augen. Der dunkelhaarige Junge hatte mich berührt, von der Schläfe runter bis zu meiner Wange und dieses verdammte Wort geflüstert. Er war so schön und doch so unerreichbar. Ich hatte seit mehreren Tagen solche Träume. Um genauer zu sein seitdem meine neue Schwester Laura hier eingezogen ist. Ja, sie und ich wurden von den Davis’ adoptiert. Meine Eltern kamen bei einem Autounfall ums Leben. So wurde es mir zumindest erzählt denn ich war 2 als es passierte.

Ich suchte mir Sachen aus meinem Schrank raus und ging ins Bad. Dort zog ich mich um und betrachtete mein Spiegelbild. Ich hatte rot-gefärbte schulterlange Haare. Ich liebte die Farbe rot und ich liebte es ausgefallen zu sein. Meine Augen waren in einem blauen Ton gehalten. Ich bürstete meine Haare und glättete die eine oder andere Strähne. Dann ging ich runter und setzte mich an den Tisch.

Als Laura runterkam konnte ich in ihren Augen lesen, dass es ihr irgendwie nicht gut ging. Sie schien müde und durcheinander. Komisch, genauso fühlte ich mich in diesem Moment auch.

„Morgen" sagte sie im leisen Ton an mich gerichtet. Ein kleines Lächeln erschien auf ihren Lippen aber es war nicht echt, das erkannte man sofort. „Guten Morgen" sagte ich ebenfalls „ Gut geschlafen? " Ich musterte sie genau nachdem ich die Frage ausgesprochen hatte. Sie schien zu überlegen, nur kurz. „Gut" sagte Laura genauso kurz. Charlotte kam rein und begrüßte uns aber nicht wie immer. Sie schien freundlich aber auch bedrückt, als ob etwas Unerwartetes eingetroffen wäre. Laura und ich wechselten einen kurzen Blick miteinander aus und verstanden uns sofort. Irgendetwas stimmte hier nicht.

Nach einer Weile blickte Laura mich an: „ Gehen wir heute nicht nach der Schule mit deinen Freunden Pizza essen? " Ich guckte sie genervt an. Sie hatte es immer noch nicht verstanden. „Versteh es doch endlich, Laura, meine Freunde sind auch deine Freunde!" Laura verdrehte die Augen doch sie lächelte. „ Ruby und Ethan scheinen ja ganz nett zu sein. Aber Blake? Er ist ziemlich komisch drauf." Irgendwie wurde ich traurig. Sie hatte Recht. Blake war seit einiger Zeit ganz anders. Eigentlich war er mein bester Freund und wir erzählten uns alles. Doch seit ein paar Tagen war er in sich gekehrt und wirkte geradezu hasserfüllt. Wenn ich ihn danach fragte, sagte er nichts aber in seinen Augen erkannte man Traurigkeit. Ich wollte ihm gerne helfen. Ich wusste nur noch nicht wie.

Nachdem Laura und ich gegessen hatten, liefen wir zur Bushaltestelle und warteten. Nach einiger Zeit wurde das Schweigen unerträglich. Ich wusste nicht ob ich ihr von meinem Traum erzählen sollte, ich wollte es ihr nicht noch schwerer machen. Sie hatte genügend eigene Probleme. Also entschied ich mich auf den nächsten Traum zu Warten, aber vielleicht gab es ja gar keinen neuen Traum?

Der Bus fuhr leicht über den Bordstein und hätte mich fast mitgenommen. Laura zog mich zur Seite. „Ziemlich in Gedanken heute, hm?" kommentierte sie es nur kurz. Ich lächelte sie an und stieg ein. Wir setzten uns nach hinten und schwiegen weiterhin, jede in ihren Gedanken versunken.

Irgendwann, es schien nach einer Ewigkeit zu sein, erreichten wir dann die Schule. Laura und ich stiegen aus und wurden herzlichst von Ruby und Ethan empfangen. Blake stand weiter abseits und starrte uns an. „Hallo ihr 2" begrüßte uns Ruby und gab mir und Laura einen Kuss auf die Wange. Laura war sichtlich überrascht und ich musste etwas kichern. Irgendwann würde sie sich daran gewöhnen. „Ich entführe Laura dann mal direkt" sagte Ruby und hakte sich bei Ethan und meiner neuen Schwester ein. Ich guckte ziemlich überrascht. „Wir haben jetzt Biologie. Anaphase und so" sagte Ethan. Stimmt ja, dachte ich mir. Kurz überlegte ich… ich hatte jetzt Physik. Mit Blake. Das konnte ja heiter werden. Ich lief zum Klassenraum denn es hatte schon längst geklingelt. Blake schien an der Tür auf mich zu warten, doch ich ging einfach vorbei. Ich wusste dass es falsch war. Spätestens als ich ihm dann in die Augen sah. Er schaute schon wieder so traurig und verzweifelt. Schweigend setzte er sich neben mich. Mrs. Cornwall war noch nicht da. „Hallo" sagte Blake leise, kaum hörbar. „Hei" sagte ich nicht gerade freundlich. Nun war ich nicht mehr traurig, sondern wütend. Und ich wusste noch nicht mal warum. Irgendwas störte mich an seiner Art die er seit neustem an den Tag legte. Er war einfach nicht mehr er. Blake war irgendwie nicht mehr mein bester Freund. Der beste Freund, den ich kennen und lieben gelernt hatte. „Alles gut bei dir?" fragte er mich. „Ha, die Frage solltest du dir mal selber stellen!" antworte ich ihm. Erst wollte er was sagen, öffnete leicht seinen Mund, und doch dann schloss er ihn wieder. Blake drehte sich beleidigt zur Seite. Als ich grade dabei war, meine Mappe und mein Buch rauszuholen, da tippte mich Blake an und fing an zu sprechen. „Michelle, es tut mir Leid dass ich im Moment so bin wie ich bin. Ich weiß das du es nicht abhaben kannst" Ich nickte kurz, dann sprach er weiter. „ Es hat sich einiges geändert in den letzten Tagen und…" Und da trat Mrs. Cornwall ein. Blake ließ den Kopf kurz hängen und drehte sich dann in Richtung Lehrerpult. Warum hat er nicht einfach weitergesprochen?

Die ganze weiter Physikstunde versuchte ich Blake mitzuteilen, dass er weitersprechen sollte, doch entweder wollte er nicht oder Mrs Cornwall meinte, dass der Bremsweg wichtiger wäre. Als es klingelte, sprang Blake auf und ging raus. Ich stand auf und ging ihm schnellen Schrittes hinterher. „Blake, du wolltest mir noch etwas sagen" erinnerte ich ihn. Doch er zog seine Schultern nur hoch. „Ist nicht so wichtig" sagte er und ging. Ich blieb fassungslos eine Weile so stehen. Ihm war wirklich nicht mehr zu helfen.

Der Rest des Tages verlief langweilig. Manchmal hatte ich mit Laura Unterricht oder mit Ruby oder Ethan. Blake sah ich seit der Physikstunde nicht mehr.

Am Nachmittag saßen Laura und ich im Wohnzimmer und wir bestellten eine Pizza. Charlotte und Mikel waren arbeiten und hatten uns Geld dagelassen, da sie wussten, dass unsere Kochkünste nicht besonders berauschend waren.

Die Pizza kam und wie den Rest des Tages, schwiegen wir vor uns hin. Ich hatte irgendwie immer das Gefühl das Laura etwas sagen wollte. Aber sie sprach es nicht aus. Wir schauten noch Fernsehen, obwohl man das eher Dauer-Gezappe im Fernsehen nennen konnte. Um 23.00 stand ich dann auf. „Ich glaub ich geh dann mal ins Bett" sagte ich zu Laura. „Ja, schlaf gut" Erst ging ich ein paar Treppen hoch, dann ging ich wieder runter ins Wohnzimmer und setzte mich auf die Couch. „Was ist los mit dir" warf ich einfach so in den Raum. Laura riss die Augen auf und schaute dann wieder betrübt zum Fernseher. Ich schaltete ihn aus. „Du hast doch irgendetwas. Ist es denn so schlimm, dass du nicht mit mir darüber reden kannst? Ich weiß du kennst mich noch nicht lange und…" Sie unterbrach mich. „Es ist nicht weiter wichtig, Michelle. Ich habe im Moment, nur komische…verrückte Träume. Das ist alles." Den zweiten Teil des Satzes flüsterte sie nur. „Erzähl mir davon, bitte" bat ich sie. Immerhin war es bei mir im Moment genauso. „Ach es ist nicht weiter wichtig" begann sie. „Ich steh an einem See. Und dann sind da zwei Jungs. Und sie sagen ich soll gehen. Nur die Träume sind immer so real, das wundert mich. Es ist aber nicht weiter Wichtig" sagte sie mit einem Lächeln, doch ich war erschrocken. Sie hatte grade MEINEN Traum wiedergegeben. „Alles okay bei dir" fragte Laura mich nach einer Weile. „Jaja" sagte ich abwesend. „ Diese Jungen" fing ich an. „Sie haben grüne Augen, so faszinierend und die Jungen… der eine hat dunkle Haare und ist groß und der andere" „…hat blonde Haare und ist eher klein" beendete Laura meinen Satz überraschend. „Ja" sagte ich. „Ich träume auch seit einigen Tagen immer wieder solche Träume. Irgendwie… habe ich Angst vor Ihnen. Sie sind real und…" „doch soweit fern." Beendete Laura meinen Satz wieder. Wir saßen noch eine Weile da, wieder schweigend. „Ich… geh dann jetzt wirklich ins Bett" sagte ich dann. „Schlaf gut" meinte Laura. Ich ging leise die Treppen hoch in mein Zimmer. Dort zog ich mich um und legte mich dann ins Bett. Sollte ich mich über den bevorstehenden Traum freuen? Vielleicht träumte ich ja so was niewieder. Noch bevor ich mir mehr Fragen stellen konnte, war ich schon in einen tiefen Schlaf gefallen…

Ich träumte wieder von diesem See. Und ich träumte wieder von den beiden Jungen, die so geheimnisvoll schienen. Und ich träumte wieder davon, wie der größere, dunkelhaarige Junge mir sanft über die Wange strich.

Kapitel 3 - Eifersucht

Laura

Wieder wachte ich so plötzlich auf, wie am vorherigen Morgen. Und wieder war es derselbe Traum, der mich so aus meinem Schlaf riss. Ich hatte sein Aussehen noch bis auf das kleinste Detail in den Gedanken. Seine wunderschönen grünen Augen und die blonden Haare, die ihm ins Gesicht fielen. Dieser besorgte Gesichtsausdruck... Ich drehte mich auf den Bauch und drückte mein Gesicht in mein Kissen. So wollte ich nicht über einen Jungen denken, den es nicht einmal gab. Das wäre verrückt. Man konnte sich doch nicht in eine nicht-existierende Person verlieben.

Stöhnend stand ich auf. Mein Rücken tat ziemlich weh, wahrscheinlich hatte ich falsch gelegen. Ich suchte mir ein paar Sachen aus meinem Kleiderschrank und ging ins Badezimmer. Erst als ich in den Spiegel schaute, bemerkte ich meine roten Augen. Ungläubig starrte ich mich selbst an. Hatte ich im Schlaf geweint? Langsam wurde mir das alles zu viel. Diese Träume. Der Junge und jetzt weinte ich auch noch deswegen. Irgendwas lief hier gar nicht richtig. Ich wendete meinen Blick wieder ab und zog mich aus um schnell unter die Dusche zu schlüpfen. Das war genau das richtige. Meine Gedanken wurden klarer und ich fühlte mich schon wesentlich besser. Nachdem ich mich anzogen und meine Haare geföhnt hatte polterte ich dich Treppe nach unten in die Küche.

„Guten Morgen", trällerte ich. Charlotte schaute mich verwundert an. Normalerweise war meine Laune morgens unausstehlich und das wusste sie auch. „Guten Morgen mein Schatz", sagte sie und lächelte. „Was möchtest du essen?" Ich setzte mich an den Tisch. „Mh, ich hab gar keinen Hunger." Das überraschte mich selbst. Ich hatte normalerweise immer Hunger und kannte das Wort „satt" nicht. Das war eins der ersten Male, dass ich morgens keinen Hunger verspürte. „Nein Laura. Du wirst etwas essen! Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit am Tag! Ich werde dir eine Scheibe Brot schmieren." Ich grummelte etwas und schaute zu Michelle. Sie sah etwas angeschlagen aus und schaute gedankenverloren auf ihren Teller. „Geht’s dir gut?" Sie zuckte etwas zusammen und schaute mich an. „Ja, alles gut." Sie lächelte etwas, aber es sah etwas verkrampft aus. Wahrscheinlich wollte sie vor Charlotte nicht sagen, was ihr fehlte.

Schweigend aß ich das Brot, was Charlotte mir auftischte und schaute aus dem Fenster. Es war Winter. Ich mochte die Kälte nie. Als Kind träumte ich immer davon in Kalifornien am Strand zu leben. Jeden Tag am Strand entspannen und nie wieder kalte Füße im Bett. So stellte ich mir ein perfektes Leben vor. Aber das waren alles nur Wunschträume. Doch ich schwor mir, dass ich sie irgendwann einmal wahr machen würde.

Ein paar Minuten später machten Michelle und ich uns auch schon auf den Weg zu der Bushaltestelle, an der wir jeden Morgen einsteigen mussten. Ich konnte das unangenehme Schweigen nicht mehr ertragen und brach es. „Michelle, was ist denn heute mit dir los? Du hast noch gar nichts gesagt. Das kenne ich gar nicht von dir." Sie seufzte. „Tut mir leid... Aber ich denke gerade viel nach. Ich hatte schon wieder diesen Traum. Er geht mir einfach nicht aus dem Kopf."

Ich nickte und wollte nicht weiter darauf eingehen. Am Ende würde ich doch nur wieder irgendetwas ausplaudern und Michelle würde mich für völlig verrückt halten. Ohne ein weiteres gingen wir zur Bushaltestelle. Glücklicherweise kam der Bus schnell und wir mussten nicht lange draußen in der Kälte stehen. Unsere Haltestelle war eine der ersten und wie an jedem Morgen war im Bus noch relativ viel Platz. Trotzdem setzte ich mich neben Michelle, da ich wusste, es würde noch voller werden.

Es spielte sich jeden morgen dasselbe Szenario ab. Ungefähr die Hälfte der Leute, die mit uns im Bus saßen, versuchten noch irgendwelche Hausaufgaben auszutauschen und abzuschreiben. Andere lernten für anstehende Arbeiten. Und der Rest saß zusammengerollt auf seinen Sitzen und hörte Musik. Nur ein paar wenige unterhielten sich. Aus Gewohnheit holte ich meinen MP3-Player heraus meiner Tasche und schaltete ihn ein. Michelle wendete sich an mich. „Was hast du in der ersten Stunde?" Ich musste kurz nachdenken, beschloss dann aber auf meinem Stundenplan nachzusehen um mir vollkommen sicher zu sein. „Oh nein. Mathe." Ich stöhnte und verzog das Gesicht. "Das hast du mit Blake zusammen, oder?" Ich nickte. „Ja, aber er redet nicht mit mir. Wie immer." Michelle seufzte. „Das ist mir auch schon aufgefallen. Normalerweise ist das gar nicht seine Art... Mir gegenüber verhält er sich auch ganz anders als sonst." „Soll ich ihn mal danach fragen? Ich hatte sowieso vor mal mit ihm zu reden. Ich mag es nicht ignoriert zu werden. Wenn er ein Problem mit mir hat, dann soll er es sagen." Sie schaute mich dankbar an. „ Das ist lieb von dir... Und wenn er gemein zu dir ist, motz einfach zurück. Man muss ihm die Meinung sagen, damit er wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommt. Er ist immerhin ein ziemlicher Dickkopf..." „Ich schaff’ das schon. In solchen Sachen bin ich nicht gerade auf den Mund gefallen." Ich musste etwas grinsen. Wenn es etwas gab, was mir nicht passte, rebellierte ich sofort dagegen.Michelle nickte noch einmal und schaute dann wieder aus dem Fenster. Es schien sie wirklich zu bedrücken.

Den Rest der Fahrt sprachen wir nicht und ich hörte Musik. Zehn Minuten vor Stundenbeginn trafen wir bei der Highschool ein. Ein altes hässliches Gebäude, das früher mal ein Rathhaus gewesen war. Nach dem Aussteigen streckte ich mich und gähnte einmal. Meine gute Laune war längst wieder verflogen. Von weitem sah ich Ruby, die schon auf uns zugerannt kam. Sie schloss mich in ihre Arme und gab mir einen Kuss auf die Wange. Am Tag zuvor überraschte mich dies noch, aber ich hatte mich schon darauf eingestellt und nahm es jetzt einfach so hin. „Guten Morgen! Wie geht es euch?" Ethan kam ganz lässig hinter ihr hergelaufen. Ruby ließ mich los und ging sofort weiter zu Michelle. „Bei uns ist alles gut. Und bei euch?" Jetzt strahlte sie wieder. Mir wurde bewusst wie sehr ihr ihre Freunde am Herzen lagen. Allein durch ihre Anwesenheit, wurde sie wieder glücklich. Ich kannte das nicht. Ich hatte noch nie irgendwelche Freunde gehabt. Wie schon gesagt, ich war immer eine Einzelgängerin gewesen. Ethan nickte uns einmal freundlich zu. Das war jeden Morgen seine Begrüßung. Ruby öffnete gerade ihren Mund um wieder loszuplappern, als plötzlich die Schulglocke ertönte. Ich verabschiedete mich von den dreien und machte mich auf den Weg zu meinem Matheraum. Mittlerweile konnte ich mich in der Schule ganz gut zurechtfinden. Nur selten musste ich einen anderen Schüler nach dem Weg fragen oder meine selbstgezeichnete Karte zur Hand nehmen. Ich kam gerade noch rechtzeitig und setzte mich auf meinen Platz. Ich spürte von rechts schon Blakes feindseligen Blick auf mir. Langsam drehte ich mich in seine Richtung und starrte mindestens genau so böse zurück. Im ersten Moment schien er sehr überrascht von meiner Reaktion, dann wendete er den Blick ab und schaute auf sein Heft. Die restliche Stunde schaute er mich nicht einmal an. Sobald die Stunde zu Ende war stand er auf und wollte den Raum verlassen.

„Blake, warte mal!"

Er erstarrte und drehte sich um. Sein Gesicht war hasserfüllt. „Was willst du?!" „Blake... Ich will mit dir reden, ok? Dein Benehmen geht mir langsam echt auf die Nerven. Ich mag das nicht." Seine Augen verengten sich. „Du sollst es auch nicht mögen." Er drehte sich um und lief, nein rannte fast aus der Klasse. Völlig perplex blieb ich stehen. Als ich realisiert hatte, dass er wirklich gegangen war, entschied ich, ihm hinterher zu gehen. Ich würde nicht locker lassen, bis er mir sagen würde, was an mir ihn so wütend machte. Doch in der nächsten Stunde hatte ich nicht mit ihm zusammen Unterricht. Ich hatte Biologie. Diesen Kurs hatte ich zusammen mit Michelle. Sie würde mich wahrscheinlich fragen, ob ich schon mit Blake gesprochen hatte. Tief in meinen Gedanken versunken, ging ich zu meinem nächsten Klassenraum. Die Pause dauerte noch etwas drei Minuten, aber ich setzte mich schon auf meinen Platz. Michelle konnte ich nirgends entdecken. Da ich nichts besseres zu tun hatte, legt ich meine Sachen auf den Tisch und las mir noch einmal meine Hausaufgabe durch ohne wirklich darauf zu achten. Dann hörte ich wie Michelle ihre Tasche auf den Tisch legte. „Hallo. Da bin ich!" Ich schaute hoch und sie lächelte mich an. „Wie lief Mathe?" Ich begriff sofort, dass sie nicht den Unterricht meinte, sondern wissen wollte, ob ich bereits mit Blake geredet hatte. „Hätte besser laufen können. Er ist mir einfach davongelaufen." Ich zuckte mit den Schultern. „So wird das nie was. Ich denke, ich nehme mir ihn beim Mittagessen mal kurz zur Seite." Michelle nickte und setzte sich hin. „Das ist typisch. Er kann so ein Dickkopf sein." Wir redeten noch ein bisschen, bis der Lehrer reinkam und wendeten uns dann dem Unterricht zu. Biologie war das einzige Fach, welches mich vom Inhalt her fast noch weniger interessierte als Mathe. Ich wollte nicht wissen wie der Körper und alles was damit zu hat funktioniert. Die Hauptsache war, dass es funktionierte. Sonst ging man eben zu einem Arzt, der kannte sich damit aus, also musste man selbst es nicht. Aber leider teilte mein Lehrer diese Meinung nicht mit mir.

Damian, eine Junge aus dem Biologie-Kurs, begleitete mich mit zu Spanisch, was er auch mit mir gemeinsam hatte. Er war sehr sympathisch und immer freundlich zu mir. An meinem ersten bot er mir auch sofort an, mir die Schule zu zeigen, wurde jedoch von Michelle enttäuscht, da sie diesen Job unbedingt übernehmen wollte. Spanisch verging sehr schnell. Ich war immer gut in Sprachen gewesen und es machte mir Spaß sie zu lernen. Nun war Zeit für das Mittagessen und ich ging zusammen mit Ruby und einem Mädchen, dessen Namen ich nicht kannte, zum Speisesaal, da ich die beiden zufällig auf dem Flur traf.

Ich ging sofort zu unserem Tisch, ohne mir vorher etwas zu Essen zu kaufen. Das machte ich Mittags nie. Charlotte würde mir den Kopf abreißen, wenn sie es erfahren würde. Ich sah sofort Blake, der mit Logan redete, aber sofort eine unfreundliche Miene aufsetzte, als er mich erblickte. Ich ging zu ihm und stellte mich locker hinter ihn. „Du kommst jetzt sofort mit. Da gibt’s noch etwas zu besprechen.", sagte ich ihm und verbarg nicht gerade die Abneigung in meiner Stimme. Er seufzte einmal genervt und erhob sich. „Wenn’s unbedingt sein muss. Fass dich kurz." „Komm mit." Ich ging mit ihm zu einem leeren Tisch und setzte mich. Er ließ sich gegenüber von mir nieder. „Mach schon." „Jetzt reicht’s aber, ok?! Du meckerst mich die ganze Zeit nur an! Die ganze Zeit! Was hab ich dir eigentlich getan?" Sein Blick verfinsterte sich. Er saß regungslos da und schaute mir in die Augen. „Sogar Michelle hat gesagt, dass du dich komisch verhältst..." Jetzt ging in ihm etwas vor. Seine Augen weiteten sich und er schaute mich erstaunt an. „Du hast mit Michelle darüber gesprochen?" Ich seufzte. „Ja, natürlich. Sie ist jetzt meine Schwester. Außerdem hat sie mich darauf angesprochen, ich hab das Gefühl, sie macht sich Sorgen." Er schaute zur Seite. Mit einem Mal schien er traurig zu sein. „Das wusste ich nicht.", murmelte er. Die Art wie er das sagte, so schulbewusst und bekümmert, machte mir einiges klar. „Du bist in Michelle verliebt." Es war keine Frage, sondern eine Feststellung.

Er schaute mich wieder an. „Das geht dich nichts an. Du sollst mich einfach nur in Ruhe lassen." Ich legte meine Ellenbogen auf den Tisch und faltete die Hände. „Ich sag schon keinem was. Erst recht nicht ihr. Das kannst du schön selber machen. Aber... Worauf ich hinaus wollte... Warum bist so gemein zu mir?" Er stützte seinen Kopf auf seiner rechten Hand ab und schnaubte. „Ich bin eifersüchtig, ok?! Lässt du mich jetzt zufrieden?" Eifersüchtig. Blake war eifersüchtig auf mich. Ich verstand nicht genau aus welchem Grund, aber wenn ich ihm noch mehr Fragen stellen würde, würde er mir garantiert den Kopf abreißen. Also beließ ich es dabei und ging mit ihm zusammen zu unserem Tisch zurück und setzte mich so weit von ihm weg, wie ich konnte.

Kapitel 4 - Glücksmomente

Michelle

Laura und ich gingen zum Bus. Andauernd schielte sie zu mir herüber. Ich hatte mitbekommen, dass sie mit Blake gesprochen hatte, nur sie sagte nichts dazu. War es denn so schlimm? Seitdem Blake so anders gewesen war, fehlte etwas in meinem Herzen. Ich hatte jetzt Laura, ja, aber das war nichts im Vergleich zu Blake. Er war etwas Besonderes, ein Mensch, den man nicht einfach so finden konnte.

Als wir zuhause ankamen, waren Charlotte und Mikel nicht da, wie so häufig in letzter Zeit. Mir war es aber im Moment auch ziemlich egal. Manchmal nervt Überfürsorglichkeit nämlich doch… Laura lächelte mich nur kurz an und verschwand in ihr Zimmer. Ich kuschelte mich in den großen Sessel, der im Wohnzimmer stand. Dann nahm ich mir die Fernsehzeitung und ich blätterte sie durch, ohne irgendetwas Bestimmtes zu suchen oder gefunden zu haben. Irgendwann kam ich dann auf die im Endeffekt miserable Idee Blake anzurufen. Ich wählte seine Nummer, denn ich kannte sie in und auswendig, und wartete. Grade wollte ich auflegen, weil ich gar nicht wusste, was ich sagen sollte. „Blake hier" meldete sich eine Stimme. Seine Stimme. „Ehm" war das einzige was ich herausbrachte. Dann legte ich auf, wie ein kleines Kind. Ich warf das Telefon auf die Couch, warf mich in den Sessel und schrie die Decke an. Laura kam runter. „Ich habe… so ein Schreien gehört. Warst du das gerade?" „Eh… nein das war der Fernseher" log ich. „Der ist doch gar nicht an." So ein Mist aber auch. „Ja, ich habe mich selbst so erschreckt… da habe ich ihn ausgemacht." „Okay" sagte Laura und sie ging wieder nach oben. Kurz überlegte ich, dann nahm ich wieder das Telefon und ich wählte wieder Blakes Nummer. Diesmal brachte die Stimme nur ein „Hallo" raus. Er wusste dass ich es war. Warum hatte dieses dumme Telefon eigentlich keine Inkognito Funktion? „Pass auf" sagte ich ohne ihn zu begrüßen oder große Reden zu schwingen. „Ich hasse dein Verhalten im Moment. Du bist so… ekelhaft. Dein Verhalten ist ekelhaft. Du ignorierst mich & machst meiner Schwester das Leben schwer. Du machst mir das Leben schwer, Blake. Wir waren mal Beste Freunde Blake, aber du redest nicht mehr mit mir. Verdammt noch mal, nein das tust du nicht." Die Tränen stiegen mir in die Augen, aber das wollte ich als allerletztes. Ich wollte nicht vor Blake weinen, ich wollte stark sein. „Eigentlich wollte ich dir mit diesem Anruf zeigen, dass es mir ab jetzt egal ist, Blake. Das du mir egal bist. Aber das ist nicht der Fall. Ich vermisse dich. Ich vermisse unsere Zeiten und… Blake? Blake bist du noch dran?" Man hörte ein Tuten in der Leitung. Ungläubig starrte ich das Telefon an. Er hatte einfach aufgelegt.

Leise liefen mir die Tränen aus den Augen, über meine Wangen. Irgendwie war grade alles so unreal gewesen. Vor ein paar Wochen hätte ich mir nicht träumen lassen, das Blake und ich uns mal streiten würden. Hatte ich mich denn eben mit ihm gestritten? Ja hatte ich.

Leise ging ich die Treppen hoch in mein Zimmer, dann ließ ich mich einfach auf das Bett fallen. Meine Tränen strömten an meinen Wangen pausenlos vorbei und fielen auf mein Kissen. Irgendwann war ich eingeschlafen. Und ich träumte wieder von diesem Jungen. Und er streichelte wieder meine Wange. Aber seine Augen sahen traurig aus. Er versuchte etwas zu unterdrücken und er tat mir aus unergründlicher Weise leid. Dann wachte ich wieder auf. Ich hörte ein dumpfes Geräusch aus dem Nebenzimmer. Um nachzusehen fiel ich halb aus meinem Bett und stampfte schlaftrunken zu Laura ins Zimmer. Sie war grade dabei die Einzelteile von ihrem Wecker wieder zusammenzusuchen. „Oh entschuldige habe ich dich geweckt?" fragte Laura. „Nein" flüsterte ich. „Früher oder später wäre ich eh wach geworden." Ich setzte mich zu ihr auf’s Bett und zusammen flickten wir den Wecker wieder zusammen. „Geht es dir gut, Michelle? Du siehst nicht grade danach aus." Als Laura das sagte, schaute sie mich nicht an. „Ja… doch… nein eigentlich geht es mir ganz & gar nicht gut. Ich habe mich vorhin mit Blake gestritten. Glaube ich" Und wieder liefen die Tränen. „Das war das erste Mal das wir uns gestritten haben. Und ich will das nicht. Aber ich versteh ihn auch nicht. Er ist so anders so komisch und… ach Mann so eine Scheiße." Laura nahm mich in den Arm. Es tat gut, sie jetzt bei mir zu haben. Dann setzte sie sich etwas zurück und sie atmete tief ein, als ob sie jetzt eine lange Rede halten wollen würde. Kurz schüttelte sie den Kopf. „Blake ist in dich verliebt, Michelle. Und er ist eifersüchtig auf mich. Ich denke mal, weil ich soviel Zeit mit dir verbringe." Erstaunt guckte ich sie an. Dann lachte ich und dann schaute ich sie an. „Wirklich?" „Ja" sagte Laura „Er hat es mir heute erzählt in der Cafeteria." Irgendwie fand ich es belustigend. Aber dann beschlich mich ein komisches, unangenehmes Gefühl. Warum habe ich, als seine beste Freundin, das nicht eher erkannt? Hätte ich es eher erkennen können? Ich stand vom Bett auf und ging rückwärts aus dem Zimmer. „Danke Laura für…eh… die Information" Ich stieß gegen die Tür, drehte mich um und wollte wieder in mein Zimmer gehen. „Michelle?" rief mich Laura zurück. „Ja" „Geht es dir wirklich gut?" „Ja, danke" sagte ich und ich ging wieder in mein Zimmer und legte mich in mein Bett. Blake, verliebt, in mich. Diese 3 Teile eines Satzes schwirrten in meinem Kopf.

Am nächsten Morgen frühstückten Laura und ich schweigend. Auch im Bus herrschte Stille. Als wir an der Schule ankamen suchte ich überall Blake aber er war nicht zu sehen. Laura ging zu Ethan und Ruby, die wie jeden Morgen auf uns warteten. Ich suchte immer noch alles nach Blake ab, als Laura mir eine Hand auf die Schulter legte. „Er ist heute nicht da, Michelle. Er hat sich bei Ruby als krank gemeldet." „Er ist feige, verdammt feige. Ich werde jetzt zu ihm fahren Laura. Sag den Lehrern, dass ich krank bin." Bevor Laura noch etwas sagen konnte, hatte ich mich schon umgedreht und war gegangen. Blake wohnte nicht weit weg von der Schule. Nach 10 Minuten hatte ich das Haus erreicht. Eine Weile stand ich davor, dann klingelte ich. Und ich wartete und wartete. Keiner machte auf. Soviel zum Krankfeiern. Ich setzte mich auf die Treppen. Ich würde warten. Bis er kommen würde. Draußen war es kalt. Und dann fing es auch noch an zu regnen. „Na super" sagte ich leise und ich lehnte mich an die Wand. Ich wollte mich davon überzeugen, dass Blake wirklich krank war. Er rannte immer vor Problemen weg, schon früher. Und ich hatte das dumpfe Gefühl, dass im Moment ICH das Problem war.

Es wurde stürmischer und der Regen peitschte mir ins Gesicht. Ich schloss meine Augen. Irgendwann berührte mich jemand an der Schulter. „Was machst du denn hier" das war Blake’s Stimme. Schnell stand ich auf und ich strich mir die nassen Haare aus dem Gesicht. „Ich… ich wollte… sehen wie es dir geht" Er verdrehte die Augen und öffnete die Tür. Blake ging ins Haus und ließ die Tür offen. Trotzig ging ich herein. Blake ging ohne sich noch mal umzudrehen einfach die Treppe hoch. Was fiel ihm eigentlich ein? Da warte ich den halben Tag vor seiner Tür und er hat nichts Besseres zu tun als wieder weg zu rennen. Auch ich ging die Treppe hoch, ihm hinterher. Er zog seine Jacke aus und legte sie über seinen Schreibtischstuhl. Ich setzte mich auf sein Bett. „Hast du mir vielleicht irgendwas zu sagen?" fragte ich ihn trotzig mit verschränkten Armen. „Nein, habe ich nicht." „Ganz sicher?" fragte ich ihn böse. Darauf antwortete er nichts. „Ich weiß alles, Blake." Er erstarrte kurz in seinen Bewegungen. Dann räumte er wieder irgendwelche unwichtigen Sachen von dem einen zu dem anderen Ort. „Meine Güte, jetzt sag doch auch mal was." „Was soll ich denn großartig dazu sagen?" Nun hatte er sich umgedreht und er schaute mir in die Augen. „Es ist halt kompliziert. Und ich wollte die Freundschaft damit nicht belasten. Aber das hat ja alles andere als gut geklappt." Er setzte sich neben mich und traurig sackte er in sich zusammen. „Warum kannst du Laura nicht ausstehen" fragte ich ihn geradewegs. Kurz huschte ein Lächeln über seine Lippen. „Ja, ich war eifersüchtig auf ein Mädchen. Ich hatte und habe Angst, dass sie mir dich wegnimmt. Ich weiß das ist krank… aber so bin ich halt." „Ich verstehe dich" sagte ich „Irgendwie, zumindest" Nun lächelte auch ich. Die ganze Wut war verschwunden. „Ist jetzt wieder alles in Ordnung zwischen uns, Blake? Ich will nicht das es so läuft wie in den letzten Wochen." Er drehte sich zu mir. „Es könnte ganz anders laufen, Michelle."

Langsam näherte sich sein Gesicht meinem. Ich wusste nicht ob ich mich umdrehen sollte und weglaufen sollte. Ich entschied mich dann doch für das Sitzen bleiben. Er nahm mein Gesicht in seine großen Hände und zog es leicht zu ihm herüber. Seine Stirn berührte meine. „Es tut mir so Leid, Michelle." Dann streiften seine Lippen meine, sanft und vorsichtig. Er hielt inne. „Geht es dir gut?" fragte er. „Mehr als das" sagte ich aber irgendwie stimmte das nicht. Ich war total verwirrt. Küsste ich hier grade meinen besten Freund? Blake drückte seine Lippen auf meine. Und ich erwiderte den Kuss. Aus meinem Haar löste sich ein Wassertropfen und er fiel auf meine Wange. Sanft küsste Blake ihn weg. Ich löste mich von ihm. „Ich geh dann jetzt, es ist spät und Laura macht sich bestimmt Sorgen." Ich stand auf, er mit mir. Schweigend brachte er mich zur Tür. Doch als ich sie öffnete fasste er mir um den Arm und er zog mich wieder zu sich. „Ich liebe dich, Michelle" sagte er leise. Dann küsste er mich noch einmal. Ich nickte nur und ging.

Als ich durch die Straßen lief, war ich immer noch total verwirrt. Ich war grade dabei mich in meinen besten Freund zu verlieben. Eigentlich gab es keine negativen Punkt. Doch irgendwas war nicht richtig. Auf der rechten Seite fing der Wald an. Ich entschied mich dalang zu gehen. Aus welchen Gründen auch immer. Versunken in meinen Gedanken lief ich weiter & weiter. Meine Gedanken waren immer noch bei Blake. Ich würde mich einfach in den nächsten Tagen öfter treffen. Dann würde sich alles von selbst herauskristallisieren. Hoffte ich zumindestens. Ich lief weiter und weiter, den Kopf nach unten. Doch irgendwann war da Wasser. Wasser? Ich schaute nach vorne und fiel auch gleich wieder nach hinten in den Sand. In DEN Sand! Und das war DER See. Aus meinen Träumen. Ich rieb mir die Augen. Träumte ich grade? Ich holte mein Handy heraus. „Laura? Laura du musst sofort her kommen. Wenn ich mich nicht grade täusche, werden Träume Realität. …Ja, ich erkläre es dir gleich. Du musst kommen jetzt." Dann legte ich auf. Und ich fühlte den Sand in den Händen. Er fühlte sich genauso an wie im Traum nur noch realer. Es war unglaublich.

Kapitel 5 - Unglaublich

Laura

Ich saß an meinem Schreibtisch und erledigte lustlos meine Hausaufgaben. Auch heute hatte ich wieder viel zu viele für meinen Geschmack aufbekommen. Stöhnend legte ich meinen Stift beiseite und senkte meinen Kopf. Diese albernen Matheaufgaben hielten mich schon mindestens eine halbe Stunde vom Beenden meiner Hausarbeiten ab. Wie es schon vorher gesagt wurde, hatten wir ein neues Thema angefangen – und ich verstand gar nichts. Natürlich war Michelle nicht zu Hause und konnte mit somit auch nicht helfen. Michelle. Mir fiel auf, dass sie schon sehr lange weg war, also ich beschloss sie anzurufen. Gerade als dieser Gedanke zuende war, vibrierte mein Handy in meiner Hosentasche. Ich holte er heraus und sah, dass Michelle diejenige war, die mich anrief. Sofort nahm ich ab und hielt es an mein Ohr. „Ja?" „Laura? Laura du musst sofort her kommen. Wenn ich mich nicht grade täusche, werden Träume Realität. …Ja, ich erkläre es dir gleich. Du musst kommen jetzt.", sagte Michelle schnell und sie klang sehr aufgeregt. Dann legte sie auf und ich konnte nur noch ein Tuten hören.

Sie wollte, dass ich zu ihr kam. Und sie sagte, die Träume würden Realität. Sofort sprang ich auf, griff nach meiner Jacke und stürmte aus dem Haus. Ich wusste nicht wohin ich gehen sollte, aber da sie zu Blake wollte, beschloss ich zuerst zu ihm zu fahren. Ich schaute auf meine Uhr und musste feststellen, dass der nächste Bus in zwei Minuten da sein würde, also find ich an zu rennen. Als ich ankam, stand der Bus schon an der Haltestelle. Ich winkte dem Busfahrer zu und er öffnete mir die Tür. Schnell bezahlte ich und setzte mich nach ganz hinten.

Nach einer Stunde war ich an meinem Ziel angekommen. Michelle hatte hoffentlich so lange auf mich gewartet. Da meine Handykarte leer war, konnte ich ihr weder eine Sms schreiben, noch sie anrufen. Ich stieg aus und atmete einmal tief durch. Gleich würde ich vor Blakes Haustür stehen. Ich musste mich seelisch auf seine Blicke vorbereiten. Es war vielleicht übertrieben, aber ich war schon immer sehr sensibel gewesen und sein Verhalten setzte mir doch sehr stark zu, auch wenn ich es mich nicht anmerken ließ. Ich wartete bis der Bus weiterfuhr und ging dann über die Straße. Blake wohnte in einer Siedlung, so viel wusste ich. Aber den Straßenname, geschweige die Hausnummer kannte ich nicht. Ich hatte schon vorher mit mir selbst abgemacht, dass ich solange bei anderen Häusern klingeln und fragen würde, bis ich bei Blake angekommen war.

Ich fand sein Haus relativ schnell, denn ich war schon in der richtigen Straße und brauchte nur einmal nachzufragen. Mit zittrigen Fingern drückte ich auf die Klingel und trat zwei kleine Schritte zurück. Nach ein paar Sekunden öffnete sich die Tür und Blake schaute mich sichtlich überrascht an. „Laura...?" Ich nickte. "Ja, genau. Also. Weshalb ich hier bin. Weißt du vielleicht wo Michelle ist?" Sein Gesichtsausdruck veränderte sich und nun stand ihm der Schock ins Gesicht geschrieben. „Was? Ist sie nicht zu Hause?" Ich schaute zu Boden und schüttelte den Kopf. „Nein, sie ist nicht zurückgekommen... Ich dachte mir, dass du vielleicht wüsstest, was los ist..." „Scheiße! Wir müssen sie suchen!" Schon rannte er an mir vorbei die Straße herunter. Er war völlig außer sich. So offen hatte er bis jetzt noch nie gezeigt, wie sehr er Michelle liebte und deswegen war ich im ersten Moment sehr überrascht. „Blake! Warte!" „Wir teilen uns auf! Ich durchsuch die Nachbarschaft und du... Naja, du gehst irgendwo anders hin!" Und da war er auch schon in der nächsten Straße verschwunden. Ich lief in die andere Richtung. Ein paar mal rief ich ihren Namen und schaute mich gründlich um. Nach einiger Zeit war die Siedlung zu Ende und ich kam an einen Waldrand. Auf irgendeine Weise erschien mir der Wald magisch und sehr geheimnisvoll. Ich spürte das heftige Verlangen hineinzugehen und sein Geheimnis zu lüften. Also beschloss ich hineinzugehen und nebenbei Michelle zu suchen. Dieser Wald übte eine mysteriöse Anziehungskraft auf mich auf und ich konnte mich nicht dagegen wehren. Leicht benommen stolperte ich hinein. Mein Blick war starr nach vorn gerichtet. Ich lief und hatte mein Zeitgefühl völlig verloren. Waren es Minuten oder Stunden, die ich über das feuchte Gras lief? Ich wusste es nicht mehr. Nach einiger Zeit konnte ich am Ende des Waldes einen schwachen Lichtstrahl erblicken. Wie in Trance folgte ich seine Richtung und kam an einen See.

Augenblicklich blieb ich stehen und hörte auf zu atmen. Ich hatte exakt denselben See vor mir, den ich auch in meinen Träumen sah. Alles stimmte. Das blau-grüne Wasser, über das eine leichte Brise fegte. Die dünnen Schleier über der Oberfläche, die wie seidene Tücher aussahen, welche sich langsam im Wind wanden. Langsam schaute ich mich um und beobachte den Waldrand auf der anderen Seite des Sees. Von dort kamen die Jungen jedes Mal. Nach ein paar Sekunden wendete ich den Blick ab und kam mir unheimlich dämlich vor. Sie existierten nicht, also konnten sie auch nicht einfach aus dem Wald spazieren. Ich seufzte und ging an paar Schritte nach vorn. Plötzlich wurde ich von der Seite angesprungen. „Laura! Endlich bist du da! Ich hab schon so lange auf dich gewartet!" Michelle hatte mich von den Füßen gerissen und nun lagen wir beide nebeneinander auf dem Boden. Ich keuchte vor Schreck und konnte nichts hervorbringen. Sie find an zu kichern und stand auf. „Tut mir leid, dass ich dich erschreckt hab. Hier war es nur ziemlich langweilig." Lächelnd hielt sie mir eine Hand hin. Ich nahm sie und sie half mir auf. „Das ist der See aus meinen Träumen..." Ich schaut ihr in die Augen. „Und wahrscheinlich auch aus deinen, so wie du schon am Telefon sagtest." Sie nickte. „Ich war bei Blake und dann bin ich gegangen. Ich bin irgendwie wie von allein hierher gegangen." „Ich auch... Oh! Apropos Blake! Er sucht auch nach dir... Ich war bei ihm und er ist total überstürzt weggelaufen. Ich habe nicht mehr genug Geld um mit meinem Handy zu telefonieren, könntest du das machen?" Zögernd holte sie ihr Handy hervor. „Das hätte ich mir ja denken können...", murmelte sie und tippte Blakes Nummer ein. Sie legte das Telefon an ihr Ohr und wartete. In der Zwischenzeit schaute ich mich noch einmal um. In der Realität war der See noch weitaus faszinierender als in meinen Träumen. Ich ging ein Stück näher an das Wasser heran. Ich ging ein Stück näher an das Wasser heran. Im Hintergrund konnte ich hören, wie Michelle mit Blake redete, doch das interessierte mich nicht mehr. Ich machte noch ein paar Schritte vorwärts und meine Schuhe berührten fast das Wasser. Langsam beugte ich mich nach vorne und streckte wieder die Hand aus. Ich schloss die Augen und wartete auf das Geräusch irgendwelcher Schritte hinter mir. Meine Hand glitt immer weiter nach unten. Sie war nur noch Millimeter von der glitzernden Oberfläche entfernt.

Mit einem Ruck wurde ich nach hintern geworfen. Der Wind war plötzlich unglaublich stark und ich war nicht dazu in der Lage aufzustehen. Die Blätter aller Bäume um uns herum raschelten und das Wasser des Sees peitschte im Wind, sodass alles zusammen einen ohrenbetäubenden Lärm erzeugte. Ich rollte mich auf den Bauch und schaute zur der Stelle an der Michelle gerade eben noch stand. Nun lag sie so wie ich auf dem Boden und krallte sich mit Mühe in das Gras. Ich senkte meinen Kopf und presste meine rechte Gesichtshälfte auf den Boden. Nach einen Minuten legte sich der Wind etwas und ich hatte wieder die Möglichkeit zum Aufstehen. Es war gar nicht so leicht wieder auf die Beine zu kommen und ich fiel die ersten paar Male bei dem Versuch um. „Laura, was war das?!", rief Michelle und kam auf mich zu. Ich rieb mir den Kopf. Der Aufprall hatte ganz schön wehgetan. „Ich weiß nicht... Vielleicht ist es besser, wenn mir gehen. Ich habe das Gefühl, wir sollten nicht hier sein." Der Wind wurde erneut stärker und aus den Tiefen des Waldes hallte plötzlich eine Stimme in meinen Ohren. „Flieht! Ihr müsst von hier verschwinden!" Ich erkannte sie im ersten Augenblick. Es war die Stimme des wunderschönen blondern Jungen aus meinen Träumen. Hektisch fuhr mein Kopf herum, auf der Suche nach seinen leichtendgrünen Augen. Doch ich fand ihn nicht. Michelle hatte sich inzwischen an mir festgeklammert, um nicht wieder umzufallen. Noch einmal ertönte eine Stimme, doch diese war anders. Ich spürte wie Michelle augenblicklich verkrampfte und sich fester an mich presste. „Kommt nie wieder hierher! Ihr seid hier nicht sicher!" Nachdem die Worte gesprochen waren, war es windstill. Ein paar letzte Blätter flogen von den Bäumen und landeten auf dem Wasser, welches gerade dabei war, sich zu beruhigen, doch dann war alles so wie vorher.

„Unglaublich", flüsterte ich. Sie stimmte mir mit einem Nicken zu. „Komm, wir müssen schnell hier weg, wer weiß was sonst noch passiert?!" Ich nahm ihre Hand und zog sie mit mir zurück in die Richtung aus der ich gekommen war. Der Rückweg dauerte länger als der Hinweg. Wir rannten mindestens doppelt so schnell, stolperten und fielen aber gefühlte tausend Mal. Sobald wir am Waldrand ankamen und die Siedlung wieder in Sicht war, stoppten wir unseren Marathonlauf und fielen keuchend ins Gras. Ich versuchte mir einzureden, dass das was wir gerade eben erlebt hatten wieder nur ein Traum war und ich sicher gleich aufwachen würde. Doch ich wachte nicht auf. Es war die Realität.

Nach ungefähr zehn Minuten hatten wir uns wieder beruhigt und gingen ohne ein weiteres Wort zurück zu der Bushaltestelle. Die ganze Fahrt verbrachten wir ebenfalls schweigend und tief in Gedanken versunken. Ich machte mich bereits darauf gefasst, dass der Traum sich heute Nacht verändern würde. Nach diesem Vorfall würde es bestimmt nicht so weiter gehen wie zuvor. Ich bekam bei der Vorstellung Gänsehaut. Aus den Augenwinkeln betrachtete ich Michelle sie schaute ausdruckslos nach vorne und ich konnte mir genau vorstellen, was in ihrem Kopf vorging. Eigentlich hatte ich vor sie zu fragen, wie es mit Blake verlaufen war, doch das war nun nebensächlich. Es war das Wichtigste, dass wir die heutigen Geschehnisse verdauten.

Zu Hause begrüßten Charlotte und Mikel uns herzlich wie immer und beschwerten sich erst einmal, dass niemand von uns einen Zettel geschrieben hatte. In meiner Eile hatte ich das vollkommen vergessen. Das Abendessen verlief auch ruhig, doch das war normal. Meistens erzählte Mikel nur etwas von seinem Arbeitstag und Michelle und ich von der Schule. Sobald wir zwei den Tisch abgeräumt hatten, gingen wir nach oben und setzten uns in Michelles Zimmer. Dort saßen wir auch wieder schweigend, jede in ihren eigenen Gedanken versunken, die aber eigentlich doch dieselben waren. Michelle räusperte sich und ich schaute zu ihr auf. „Ich habe ziemlich lange nachgedacht..." Sie machte eine Pause. „Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass wir irgendwie versuchen müssen mit diesen Jungen in Kontakt zu treten. Sie warnen uns in unseren Träumen... Und jetzt auch noch in der Realität. Das muss etwas ziemlich Wichtiges sein..." Darüber hatte ich noch gar nicht nachgedacht. Der Gedanke mit ihnen zu reden beängstigte mich. Aber Michelle hatte recht. Irgendwie mussten wir herausfinden, was dahinterstecke. „Gut. Wir werden es versuchen."

Kapitel 6 - Kontakte

Michelle

Ich war total verwirrt. Meine Träume wurden nie wahr. Zumindest die positiven. Warum sollte dieser also wahr werden? Ich wollte dahinter kommen. Laura saß noch eine ganze Weile bei mir. Irgendwie mussten wir versuchen Kontakt zu den beiden Jungen aufzunehmen. Nur wie? Vielleicht würde sich die Frage nach dieser Nacht in Luft auflösen.

„Wie war es heute mit Blake?" Mit dieser Frage riss sie mich ganz aus meinen Gedanken. Blake, ich hatte ihn total vergessen. „Es war gut. Wir haben uns ausgesprochen" Mir huschte ein kleines Lächeln über die Lippen. „Ausgesprochen?" fragte Laura mit einem Grinsen nach. „Ja, ausgesprochen. Auf andere Art und Weise natürlich." Nun lachten wir beide. „Ich werde dann mal in mein Zimmer gehen. Schlaf gut, Michelle" Laura gab mir einen Kuss auf die Wange. „Du auch. Und träum schön." Bei diesem Gedanken musste ich wieder Grinsen. Ob man das schön träumen nennen konnte? Ich suchte das Telefon. Als ich es dann letztendlich unter meinem Bett gefunden hatte, rief ich Blake an. „Hallo" Er hörte sich besorgt an. „Ich bin’s" sagte ich leise. „Michelle?" Seine Stimme erhellte. „Du warst vorhin einfach weg am Telefon. Wo warst du denn? Geht es dir gut? Bin ich froh, dass es dir gut geht. Geht es dir doch oder?" „Mir ist etwas vorhin dazwischen gekommen, Blake. Tut mir Leid. Aber es ist nicht weiter wichtig. Mir geht es gut, es ist alles okay. Geht es dir denn gut?" Vorsichtig hakte ich nach. Währenddessen spielte ich mit einem Haar von mir. „Mir ging es noch nie besser, Michelle. Das vorhin… das war schön." Vor Schreck riss ich eine ganze Haarsträhne raus. Mit großen Augen betrachtete ich diese. Gott sei Dank telefonierte ich nur mit Blake, sonst hätte er mich jetzt als Tomatengesicht beleidigt. „Bist du noch dran?" Blake riss mich aus meinen Gedanken. „Jaja" sagte ich hastig. „Ich fand es auch schön, Blake. Nur ich bin mir noch nicht sicher ob ich deine Gefühle erwidern kann." Jetzt war es endlich raus. Aber Blake lachte am anderen Ende der Leitung. „Das finde ich gar nicht so lustig." Sagte ich beleidigt. Im Endeffekt musste ich dann aber auch lachen. Bei seinem Lachen blieb einem auch nichts anderes übrig. „Es ist nicht schlimm, Michelle. Ich habe gedacht, ich müsse mir Sorgen machen dass ich dich überrumpele. Aber danach hört es sich ja nicht an. Morgen ist Wochenende. Worauf hast du Lust?" Da war er wieder. Der alte Blake, den ich so sehr mochte. Also war das jetzt wohl unser erstes offizielle Date. „Ich weiß nicht. Aufjeden Fall machen wir nichts was mit Draußen zu tun hat. Regen und so" „Bist du etwa aus Zucker?" Er kicherte kurz. Niedlich. „Wenn du Lust hast, kannst du ja zu mir kommen. Ich wollte morgen etwas kochen." Nun prustete ich los. „Kochen? Du? Blake Meyer? Kochen. Ich kann nicht mehr." „Rate mal, warum ich dich einlade, du Nuss. Du sollst mir helfen" „Achso läuft das also, okay ich komme. Morgen um 12.00. Ich muss auflegen, Blake. Tschueß." Und ich hatte aufgelegt. Ich suchte mein Nachthemd und wollte grade ins Bad gehen, als das Telefon klingelte. „Ja?" sagte ich verwundert. „Ich bin’s noch mal und … eh… ich wollte nur…" „Ja?" fragte ich zwischendurch. „Ich liebe dich" sagte Blake kurz und legte auf. Und ich bin dabei mich in dich zu verlieben, flüsterte ich ins Telefon.

Mein nächtlicher Traum war anders als die vorherigen. Er warf noch mehr Fragen auf und der Junge in meinem Traum wurde immer hübscher und mysteriöser. Wieder saß ich vor dem Wasser und wieder kam etwas auf mich zu. Diesmal war es nur der Junge mit den dunklen Haaren. „Du musst fliehen" Ich erschrak nicht mehr. Ich musste es mir mehr oder weniger verkneifen, da ich mehr rausfinden wollte. Für mich und Laura. „Warum soll ich fliehen? Ich habe alles was ich brauche." Er schüttelte den Kopf. „Wenn du nicht fliehst, wirst du nichts mehr haben, Michelle, nichts." Das brachte mich nicht weiter. „Wo ist der andere Junge?" Er lächelte. „Brooklyn ist bei Laura." „Laura ist auch hier? Wo ?" Der Junge entfernte sich wieder von mir. Es war Zeit aufzuwachen. „Flieh, Michelle, Bitte." Und dann wachte ich wieder auf.

Schnell schlug ich die Bettdecke weg und rannte auf den Flur. Dort stieß ich mit einem heftigen Knall gegen Laura. „Aua" riefen wir beide und wir lachten. „Laura, ich habe geträumt. Der Junge war alleine mit dir und er heißt Brooklyn, richtig?" „Richtig" sagte sie mit einem Grinsen. „Der junge mit den dunklen Haaren heißt Ryan" „Ryan" wiederholte ich leise. Laura nahm mich bei der Hand. „Lass uns essen gehen" forderte sie mich auf und wir gingen in die Küche. Dort warteten schon Charlotte und Mikel auf uns. „Guten Morgen" begrüßte Mikel uns. „Setzt euch, es gibt leckere Brötchen" Laura und ich langten zu. Zwischendurch wechselten wir verstohlene Blicke und wir mussten kichern. „Wir wollten heute mit euch in die Stadt fahren." Ich verschluckte mich an meinem Kakao. „Heue?" fragte ich entsetzt. Laura guckte mich fragend an. ‚Blake’ flüsterte ich ihr zu. „Ich komme gerne mit" wandte sich Laura dann an unsere Eltern. „Aber Laura wollte heute meine Mappen aufbessern." „Ach, schade" sagte Charlotte. In Sachen Schule kannte sie kein Erbarmen. „Dann bringen wir dir was mit, okay Michelle." „Danke" sagte ich schnell. Ich war Laura ja so dankbar. Als wir mit dem Frühstück fertig waren, bedankte ich mich noch mal bei Laura. Kurz darauf waren die drei auch schon verschwunden. Mit voller Vorfreude machte ich mich zurecht. Ich nahm eine ausgiebige Dusche und cremte meinen Körper mit verschiedenen Lotionen ein. Ich föhnte meine roten Haare und glättete sie, Strähne für Strähne. Dann trug ich etwas Puder und Wimperntusche auf. Das reichte allemal. Ich wollte ja ‚nur’ mit meinem ‚besten Freund’ kochen. Ich zog meine schwarze Lieblingsjeans an und ein weißes Sweatshirt. Rote Chucks zierten meine Füße und dann machte ich mich mit einem letzten Blick in den Spiegel auf zu Blake. Ich öffnete die Tür und schloss sie ab. Als ich mich umdrehte stieß ich fast gegen ihn. Erschrocken guckte ich ihn an. Er starrte mich an, mit etwas Faszination in seinen Augen. „Hallo Blake. Ja ich finde auch dass ich hervorragend aussehe." Ich hakte mich bei ihm ein und er wirkte sichtlich überrumpelt. Nach einer Zeit lockerte er sich und er grinste mich frech an. „Und du willst dir das wirklich antun?" Ich saugte mir beschämt selber die Information raus, dass es um das Kochen ging. „Du hast mich doch praktisch angebettelt." „Stimmt" sagte er. Den Rest des Weges schwiegen wir. Irgendwann waren wir dann bei Blake angekommen. Die Zeit spielte irgendwie keine Roller mehr. Er schloss die Tür auf und schaute mir dabei mehr in die Augen, als auf das Schloss zu achten. Blind suchte er nach dem Schlüsselloch. Doch er wollte sich nicht von meinen Augen lösen. Auch ich guckte ihn an. „Irgendwie hast du eine andere Augenfarbe als sonst. So flussgrün" Ich lächelte. Wie er doch philosophieren und Metaphern aufstellen konnte. „Findest du?" fragte ich leise. „Ja" sagte er mit rauer Stimme. Mir lief ein Schauer den Rücken herunter. Nach einer halben Ewigkeit des Anlächelns und anschmachten schloss Blake dann die Tür auf und wir gingen sofort in die Küche. Meine Jacke legte ich über den Küchenstuhl, auf den ich mich dann auch setzte. Ich stütze meinen Kopf auf meine Hand und schaute Blake dabei zu, wie er Töpfe, Messbecher und Besteck rauskramte. „Wolltest du nur rumsitzen oder mir helfen?" Blake stand vor mir. Er riss mich total aus meinen verträumten Gedanken. „Klar… ehm… was soll es denn werden?" „Es sollen Spaghetti werden" sagte er und wollte grade die Nudeln in den Topf werfen. Ohne Wasser oder Salz oder sonst etwas. Ich nahm im die Spaghettis aus der Hand. „Du hast wirklich gar keine Ahnung oder?" „Nein" gab er schmunzelnd zu. Dann klingelte das Telefon. „Mach nichts, ich will was lernen. Ich bin gleich wieder da" Ich setzte mich wieder auf den Stuhl und strich über den Messbecher der auf dem Tisch stand. Auf meinem Finger fühlte ich die Markierungen der Einheiten. Vor Langeweile schloss ich die Augen. Immer weiter strich ich über die Markierung. Irgendwann schätze ich ab wie viel Wasser wir brauchen würden. Ich strich von unten bis zu diesem geschätzten Punkt an den Markierungen entlang. Dann hörte ich Schritte. „So da bin ich wieder. Oh, muss Wasser in den Messbecher? Das wusste ich ja gar nicht." Überrascht starrte ich den Messbecher an. Da war Wasser drin! ‚Aber vorhin war er doch leer’ dachte ich mir. „Deine Augen werden immer schöner" flüsterte Blake mir ins Ohr. Dann umarmte er mich ganz plötzlich. Kurz schloss ich die Augen und ich genoss diese Umarmung. Dann schaute ich in den Glasschrank vor mir und ich schaute mir in die Augen. Das waren nicht mehr die blauen Augen die ich früher einmal hatte. Es waren flussgrüne Augen, sowie Blake sie beschrieben hatte. Die Farbe kam mir bekannt vor. Eine Weile dachte ich nach, dann fiel es mir wieder ein. Die Jungen aus meinen und Lauras Träumen hatten genau die gleiche Augenfarbe!

Langsam löste ich mich aus der Umarmung. „Blake, könnte ich vielleicht einmal dein Telefon haben? Laura soll für mich etwas besorgen" Erst gucke er verunsichert. „Klar, liegt im Wohnzimmer" Dankend lächelte ich ihn an. Schnell ging ich ins Wohnzimmer und ich wählte Lauras Handynummer. „Laura, ist irgendwo in deiner Nähe ein Spiegel?" Ich verschwendete meine Zeit nicht mit einer Begrüßung oder sinnlosen Fragen. „Ehm… ja hier ist ein Schaufenster. Aber was soll denn da… O mein Gott" Ich wartete darauf ob sie weitersprach doch das tat sie nicht. „Laura, meine Augenfarbe hat sich geändert und irgendetwas stimmt mit meinem Finger nicht. Ich mache mir Sorgen" „Meine Augen sehen ebenfalls so anders aus. Du, Charlotte und Mikel kommen. Erzähl nichts Blake davon. Wir besprechen das heute Abend" Dann legte sie auf. In dem Moment kam Blake von hinten und er schlang seine Arme um meine Taille. Kurz erstarrte ich, vor Schreck, doch dann entspannte ich mich in seinen starken Armen. Ich lehnte meinen Kopf an seine Brust und schloss meine Augen. Hier, bei Blake, konnte ich all die anderen Sorgen vergessen. Die Träume, Ryan, meine verstorbenen Eltern. Über letzteres machte ich mir in letzter Zeit oft Gedanken. Ich wusste nicht warum. Als ich meine Augen wieder öffnete, erblickte ich eine Rose. Die schönste Rose, die ich je bekommen oder gesehen hatte. Ich nahm sie und drehte mich zu Blake. „Ist die für mich?" Er nickte nur kurz und wurde ziemlich rot. Das er so schüchtern sein konnte. Und in diesem Moment schaute ich in seine wunderschönen blauen Augen. Ich streichelte ihm durch das blonde Haar. In dem Moment war ich mir sicher, dass ich mich in Blake verliebt hatte. Wie falsch ich da doch nur lag…

Langsam kam sein Gesicht meinem näher, ganz langsam so dass ich irgendwann auf meinen Zehenspitzen tippelte. Blake musste Grinsen. „Du kannst es wohl kaum erwarten" hauchte er. „Sieht so aus" sagte ich leise. Dann streifte seine Lippen meine. Ganz vorsichtig, als ob irgendetwas diesen wundervollen Moment zerstören könnte. Langsam bewegten sich seine Lippen auf meinem Mund. Ich fasste ihn an den Schultern und zog mich näher zu ihm. „Ich liebe dich, Blake" flüsterte ich zwischen zwei Küssen. Überrascht blickte er mich an. „Was" fragte ich. „Ich liebe dich auch" sagte er und dann fing er wieder an mich zu küssen. Leidenschaftlicher und heftiger. Irgendwann liefen wir weiter zurück und zurück bis ich gegen die Couch fiel. Ich bekam einen Lachanfall. So glücklich war ich schon lange nicht mehr gewesen. Blake kletterte über mich und stützte sich mit seinen Armen ab, damit er mich nicht unterdrückte. Grade wollte er mich wieder küssen, als mein Magen knurrte. Wie peinlich… „Stimmt" sagte er lachend. „Wir hatten eigentlich anderes vorgehabt." Er stand auf und widerwillig ließ ich mich von ihm hochziehen. Das Kochen wurde dann doch ziemlich lustig. Zwischendurch vergaßen wir zwar dass das Wasser zum Beispiel kochte oder dass wir eigentlich essen wollten, aber wir hatten nun mal Besseres zu tun. Gegen 18.00 verabschiedete ich mich dann. „Sehen wir uns morgen" fragte Blake mich und er strich mir über die Wange. Sofort musste ich an Ryan denken und dass was vorhin geschehen war. „Ich glaube nicht. Ich habe ziemlich viel zu tun" Dass es eine Ausrede war, musste er ja nicht wissen. „Wir sehen uns ja Montag, in der Schule" sagte ich ihm. Er wirkte nachdenklich. „Alles okay?" fragte ich lieber nach. Dann grinste er. „Sind wir jetzt eigentlich… so ganz offiziell zusammen?" Das war eine sehr gute Frage. „Ich denke schon. Ich weiß es kam jetzt alles ziemlich schnell und ich…" Mit einem Kuss verschloss er mir den Mund. „Mehr wollte ich gar nicht hören." Man hörte den Bus. „Ich muss jetzt los, Blake" Ich gab ihm schnell noch einen Kuss, dann rannte ich zur Haltestelle. „Ich liebe dich" schrie Blake über die Straße. „Ich dich auch" rief ich zurück. Grade eben erwischte ich den Bus noch. Ganz hinten ließ ich mich in einen unbequemen Sitz fallen. Und mir ging es gar nicht mehr gut. Ich hatte das Gefühl, Blake Unrecht getan zu haben. Es war schön mit ihm, keine Frage. Aber eines fehlte. Dass es Liebe war, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Zuhause angekommen, erzählte mir Charlotte von dem Familienausflug. Mein Blick war auf die Treppe gerichtet. Ich wollte so schnell wie möglich zu Laura. Nach 15 Minuten war Charlotte dann endlich fertig und ich rannte nach oben. Als ich die Zimmertür von Laura öffnete, traute ich meinen Augen nicht. Sie lag auf ihrem Bett, vor ihr ein Glas. Die Augen hatte sie geschlossen. Sie strich über das Glas und es füllte sich mit Wasser. Dann öffnete sie ihre Augen und sie erkannte mich. „Ich habe es festgestellt, als ich an meiner leeren Wasserflasche rieb." „Irgendetwas stimmt hier nicht." Sagte ich. Und da war ich mir 100% sicher.

Kapitel 7 - Ungewollt

Laura

Der Anblick meiner Augen im Schaufenster war ein Schock. Charlotte und Mikel hatten keinen Ton von sich gegeben, aber ich würde ihnen niemals glauben, dass sie es nicht bemerkt hatten. Dieses Flussgrün konnte man nicht übersehen. Auch die Tatsache, dass sich meine leere Wasserflasche wie von Zauberhand wieder gefüllt hatte, als ich nur darüber gestrichen hatte, machte mich nachdenklich. Seitdem ich hier war und erst recht seitdem Michelle und ich bei dem See aus unseren Träumen waren, geschahen merkwürdige Dinge. Ein normaler Mensch war nicht zu so etwas fähig. Nicht einmal die Illusionisten aus dem Fernsehen konnten aus dem Nichts Wasser erscheinen lassen. Das war einfach nicht möglich.

Ich saß im Schneidersitz auf meinem Bett und erwartete Michelle, die den Tag über bei Blake war. Wahrscheinlich waren sie jetzt ein Paar und das hieß, ich würde Blake öfter zu Gesicht bekommen, als mir lieb war. Vielleicht würde sich seine Abneigung gegen mich legen, jetzt da es – also so gut wie – offiziell war, dass Michelle jetzt ihm gehörte. Ich seufzte und schaute auf das Glas Wasser vor mir. In diesem Moment fragte ich mich, ob auch Michelle dazu in der Lage war, es einfach so „herzaubern" zu können. In ein paar großen Zügen trank ich das Glas aus und setzte es wieder vor mir ab. Ich betrachtete es noch für ein paar Sekunden und nahm es dann wieder in Hand. Langsam schloss ich die Augen und strich sanft über das kalte Glas. Ich öffnete die Augen und in meinem Glas befand sich Wasser. Von der Seite hörte ich wie jemand die Tür schloss. Michelle war wieder da. Ich schaute sie an. „Ich habe es festgestellt, als ich an meiner leeren Wasserflasche rieb." Sie nickte, wahrscheinlich hatte sie es auch bereits entdeckt. „Irgendetwas stimmt hier nicht.", sagte sie. Ja, genau das hatte ich mir den letzten Tagen auch schon gedacht. Irgendetwas stimmte nicht. Und wir mussten der Sache auf den Grund gehen. So viel war sicher.

Wir saßen noch eine Zeit lang schweigend in meinem Zimmer. Michelle war einer der Menschen mit denen ich gut schweigen konnte. Es war kein unangenehmes Schweigen. Auf irgendeine Weise machte es mir sogar Spaß. Es gab nicht viele Personen in meinem Leben, mit denen ich schweigen konnte. Eigentlich war sie die einzige.

Sie räusperte ich und ich schaute zu ihr. „Nein, nichts."

Mein Blick wanderte wieder zum Fenster, gegenüber von meinem Bett. Irgendwie mussten wir sie treffen. Im Traum hatte ich das Gefühl, er wolle mich abwimmeln. Plötzlich kam mir eine Idee. „Michelle?", flüsterte ich eindringlich. Sie sah zu mir hoch. „Michelle, gib mir deine Hände." „Was? Warum?" „Vielleicht schaffen wir es mit ihnen zu reden. Per Gedankenübertragung oder so." „Gedankenübertragung?" Sie schaute mich ungläubig an. „Vielleicht klappt das." Ich zuckte mit den Schultern. Einen Versuch war es immerhin wert. „Also gib mir deine Hände." Ich streckte ihr meine entgegen. Nachdenklich schaute sie sie an und legte schließlich ihre Hände auf meine. „Jetzt schließ deine Augen." Wieder flüsterte ich. Einerseits sollten Charlotte und Mikel so wenig wie möglich davon mitbekommen, andererseits würde es den Augenblick zerstören, wenn ich mit meiner normalen Lautstärke reden würde. Ich hielt ihre Hände fester. „Denk an Ryan. Stell ihn dir vor." Auch ihr Griff wurde stärker. Ich stellte mir Brooklyn vor. Seine strohblonden Haare, die ihm ins Gesicht fielen und seine Stirn verdeckten. Seine grünen Augen. Das Lächeln, welches seine Lippen sanft umspielte. Ich war froh, dass Michelle ihre Augen auch geschlossen hatte. Bestimmt war ich bei dem Gedanken an ihn rot geworden. Warum musste er auch so unverschämt gut aussehen?

„Ok...", murmelte Michelle. Ich brauchte noch etwas um mich ganz genau auf ihn zu konzentrieren. Seine Schönheit durfte mich nicht blenden. Zumindest nicht in diesem Moment. „Gut... Dann ruf ihn. Wir müssen sie erreichen. Schrei so laut du kannst." Auch ich schrie. Immer und immer wieder schrie ich seinen Namen. Brooklyn. Brooklyn! BROOKLYN! Nichts geschah. Ich schrie in eine endlose Stille hinein. „Nichts", wisperte Michelle. „wir müssen es weiter versuchen." „Wir dürfen nicht aufgeben." Noch mindestens zehn Minuten verharrten wir in dieser Haltung, dann gaben wir es entgültig auf.

Michelle streckte sich und wir redeten wieder in normaler Lautstärke. „Irgendwie komme ich mir jetzt ganz schön bescheuert vor. Wir haben gerade versucht per Gedankenübertragung Kantakt mit irgendwelchen Jungen aus unseren Träumen aufzunehmen." „Ja, das ist verrückt. Jeder normale Mensch würde uns wahrscheinlich in eine Psychiatrie stecken." Michelle schaute mich verdutzt an. Dann mussten wir beide lachen. Das hatte etwas unglaublich Befreiendes und die Stimmung lockerte sich schlagartig auf. „So, dann erzähl mir mal von Blake und dir. Seid ihr zusammen?" Sofort strahlte Michelle über das ganze Gesicht. „Ja. Wir sind zusammen. Ich kann es noch gar nicht fassen!" „Schön, dass du so glücklich bist." Ich schaute zu Boden und seufzte. „Ich hoffe nur, dass er sich mir gegenüber jetzt netter verhält..." „Und ob! Wenn nicht, dann erzähl ich ihm mal, wie man ein Mädchen zu behandeln hat!" Sie musste lachen und ich lächelte etwas. Schnell wurde sie wieder ernst. „Jetzt mal ehrlich. Wenn er nichts daran ändert, werde ich wirklich mit ihm reden. Das ist doch selbstverständlich. So kann er doch nicht einfach meine Schwester behandeln." Langsam beugte ich mich zu ihre rüber und nahm sie in den Arm. Sie tat so viele Dinge für mich und ich war der Meinung, dieses überhaupt nicht verdient zu haben. Michelle war von Grund auf gutmütig. Meistens jedenfalls. Wenn sie irgendwelche Leute nicht mochte, ließ sie es sie auch spüren. Für mich war das ziemlich belustigend, aber für die betreffenden Personen eher weniger. „Danke für alles.", flüsterte ich. „Du bist die Beste." Sie legte die Arme um mich und erwiderte nichts. Der Moment war rührend und einfach nur perfekt. Ich wollte für immer so bleiben. Mich nicht mehr um die ganzen wirren Dinge kümmern, die sich in letzter Zeit auftaten. Mein Verlangen danach auszubrechen wurde immer größer. Ich überlegte wirklich, ob es nicht besser wäre fortzugehen. So wie Brooklyn es mir geraten hatte. Gedanklich lachte ich in mich hinein. Ich dachte und sprach von ihm, als wäre er ein guter Freund, den ich schon ewig kannte. Dabei war er nur ein Junge der mir in meinen Träumen begegnete. Die Stille wurde von Michelles Stimme gebrochen. „Laura? Ich muss hier einfach mal raus. Lass uns mal in die Stadt fahren." „In die Stadt? Damit meinst du wohl nicht Buckhannon*, oder? Da gibt es nämlich nichts." Sie schüttelte den Kopf. „Nein du Dummerchen. Das weiß ich selbst. Ich hatte an Charleston gedacht." Sie nahm den Kopf von meiner Schulter und grinste mich breit an. „Da war ich schon zwei oder dreimal mit Charlotte und Mikel. Es gibt tolle Einkaufsstraßen und man kann ganz leicht mit dem Zug erreichen, wenn wir in Buckhannon einsteigen!" Die Idee gefiel mir. Endlich einmal aus dem Alltag flüchten, der im Moment durch unsere Träume und die merkwürdigen Geisterbegegnungen gar nicht so alltäglich war. Doch ich spürte, dass wir beide diese Abwechslung bitter nötig hatten. Ich stimmte zu und Michelle beschloss sich schlafen zu legen. Sie hatte bereits bei Blake gegessen und ich hatte mir zusammen mit Charlotte und Mikel beim Einkaufen zwei Burger und eine Pommes Frites gegönnt. Damit hatte ich für heute auch genug. Bevor ich mich umzog, ging ich noch einmal nach unten um Charlotte und Mikel eine gute Nacht zu wünschen und dann verzog ich mich ins Bett. An diesem Abend fand ich meinen Schlaf ausnahmsweise besonders schnell.

In meinem Traum fand ich mich wieder an dem geheimnisvollen See wieder. Doch merkwürdigerweise tauchten die Jungen dieses Mal nicht auf. Ich sah mich immer wieder um und nach einiger Zeit erblickte ich am anderen Ufer des Sees eine Gestalt. Durch den Nebel konnte ich es nicht genau ausmachen, doch ich war mir sicher, dass es sich dabei um einen Menschen handelte. Nach längerem Betrachten und dadurch, dass sich der Nebel etwas verzog, war ich der festen Überzeugung, dass es Michelle war, die dort am anderen Ende des Ufers stand. Ich rief zu ihr herüber, aber sie hörte mich nicht. Auch als ich lauter schrie, bemerkte sie nichts. Als wäre ich unsichtbar. Irgendwann beobachtete ich sie nur noch. Der dunkelhaarige Junge, Ryan, tauchte auf. Sie unterhielten sich, diskutierten. Ich konnte mir denken worum es ging. Wahrscheinlich hatte er sie gerade wieder aufgefordert von hier zu verschwinden. Die Diskussion dauerte nicht lange, denn plötzlich wurde Michelle von Ryan an seine Brust gezogen. Die bewegte sich nicht. Ich selbst war ganz überrascht von dieser Aktion. Michelle bestimmt noch mehr. Eine ganze Zeit lang standen sie reglos da. Dann ließ Ryan sie los und ging in den Wald zurück. Michelle stand wie versteinert dort und machte nicht die kleinste Bewegung.

Das war das Letzte, was ich sehen konnte, denn dann klingelte mich auch schon mein Wecker aus meinem Schlaf. Als erstes setzte ich mich stöhnend auf und streckte mich so gut es ging. An diesem Morgen war das Aufstehen besonders schwer. Also entschied ich mich wieder einmal in die Dusche zu gehen um mir selbst beim Wachwerden etwas auf die Sprünge zu helfen. Ich beeilte mich so gut es ging, denn ich wollte Michelle unbedingt über ihren Traum in der letzten Nacht befragen. War es wirklich sie gewesen?

Am Frühstückstisch herrschte wieder einmal Stille, als ich die Küche betrat. Schweigend setzte ich mich hin und aß das Toast, das Charlotte mir zuvor zubereitet hatte. Ich verschlang es mit ein paar großen Bissen und stand dann sofort wieder auf um meine Tasche zu packen. Michelle hatte nicht einmal hochgeschaut, als ich den Raum betreten hatte und war auch nun völlig in Gedanken versunken. Doch ich wollte nicht warten. Ich verabschiedete mich von Charlotte und wartete ungeduldig an der Haustür auf Michelle. Auch als sie aus der Küche gelaufen kam, schaute sie mich nicht an. Ich hielt ihr schnell die Tür offen, da ich befürchtete sie könnte womöglich noch dagegen laufen. Ohne ein Wort lief sie nach draußen, Richtung Bushaltestelle. Ich folgte ihr und tippte ihr auf die Schulter. Erschrocken zuckte sie zusammen und sah mich panisch mit angstgeweiteten Augen an. Nach ein paar Sekunden hatte sie mich dann erkannt. „Oh Gott Laura... Hab ich mich erschrocken..." Ich verschränkte die Arme und sah sie forschend an. „Raus mit der Sprache. Was ist heute Morgen mit dir los?" Sie seufzte und nahm meine Hand. „Ryan. Er hat mich umarmt. Und... Da hatte ich dieses Gefühl... Oh Laura! Das geht doch nicht! Ich bin doch gerade erst mit Blake zusammengekommen!" Verständnisvoll nahm ich sie in meine Arme und tätschelte sanft ihren Hinterkopf. „Michelle... Das war bestimmt nur ein Versehen. Steiger dich da nicht so rein, Ok? Es wird schon alles gut. Wenn du gleich bei Blake bist, wirst du darüber lachen." Sie nickte. „Ja, hoffentlich..." „Aber jetzt müssen wir erst mal in die Schule, gut? Komm mit!" Ich zog sie so gut es ging und vor allen Dingen so schnell es ging, hinter mich her.

Der Bus wartete wieder auf uns. Irgendwann würden wir ihn garantiert verpassen. Wir setzten uns nebeneinander und hörten Musik. Irgendwie hatte ich gar nicht mehr so ein großes Bedürfnis, sie nach ihrem letzten Traum zu fragen, denn ich war mir schon sicher, dass sie es wirklich gewesen war. Aber vielleicht sollte sie wissen, dass ich dort war. Doch ich beschloss, ihr das irgendwann im Laufe des Tages zu erzählen und widmete mich anderen unwichtigeren Gedanken und der Musik, die aus meinen Kopfhörern kam.

*Buckhannon ist die Stadt in der die beiden zu Schule gehen und in der auch ihre meisten Freunde wohnen.

Kapitel 8 - Bedrängnisse & Gefühlschaos

Michelle

Ich meinte, Laura auf der anderen Seite gesehen zu haben. Doch bevor ich mich mehr darum kümmern konnte, tauchte Ryan plötzlich auf. Er sah so göttlich aus. Seine dunklen Haare fielen ihm ins Gesicht und seine flussgrünen Augen hypnotisierten mich und ich war völlig in ihnen versunken. Er hatte ein schwarzes Hemd an, etwas länger, die Ärmel hochgekrempelt. Seine ausgewaschenen Jeans passten perfekt da zu. Er war einfach unglaublich schön. „Dinge haben sich verändert, das weißt du". Seine Stimme gab mir den Rest. Wie viel ich darum gegeben hätte, dass das alles hier Wirklichkeit werden würde. „Ja, das weiß ich." Ich bezog die Aussage einfach auf die Veränderung Lauras und meiner Augenfarbe und auf die komischen Dinge die wir mit Wasser anstellen konnten. „Du kannst noch fliehen und du solltest es auch tun." Ryans Blick spiegelte pure Verzweiflung dar. „Ich kann nicht weggehen, Ryan. Ich kann nicht all die Leute hinter mir lassen, nur weil du willst dass ich gehe. Und ich weiß noch nicht mal warum du es willst." Ich schaute die ganze Zeit auf den Boden. Neben ihm kam ich mir klein vor, hässlich und dumm. Er wusste soviel mehr über mich. Ich fuhr fort. „Du tauchst einfach in meinen Träumen auf und bringst mein ganzes Leben durcheinander. Ich kenne dich überhaupt nicht richtig, und ich fange schon an, an Träume zu glauben… und du verwirrst mich." Auch er guckte nach unten, als hätte ich ihn ertappt. „Du solltest an deine Träume glauben, Michelle. Bis jetzt ist es der einzige Weg mit dir zu kommunizieren. Irgendwann wirst du es verstehen. Aber das braucht Zeit." Ryan kam näher und näher und dann strich er mir abermals mit seinem Finger von meiner Schläfe bis zum Kinn. „Es tut mir Leid, wirklich." Flüsterte er. Dann nahm er mich in seine Arme. Ich schloss meine Augen und genoss den Moment. Wie sehr ich mich danach gesehnt hatte… doch plötzlich musste ich an mein Blake denken und ich erstarrte in Ryans Armen. Er merkte das etwas nicht stimmte und löste ich aus unserer Umarmung. Kurz lächelte er, gequält, dann ging er genau so schnell wie er gekommen war. Und ich war am Boden zerstört…

Morgens war ich nicht ansprechbar. Laura fragte mich kurz nach meinem Traum und ich erzählte ihr, was passiert war. Sie nahm mich in die Arme und vertröstete mich. Ich hatte Angst vor der Begegnung mit Blake. Er schien so glücklich und ich war mir überhaupt nicht mehr sicher, ob das zwischen uns Liebe war. Ich hatte das Gefühl, für Ryan soviel mehr empfinden zu können als für alle anderen Personen und das war komisch und krank zugleich. Eigentlich kam er doch nur in meinen Träumen vor. Doch was war, wenn diese Träume wirklich in irgendeiner Verbindung mit der Realität standen? Blake, Ethan, Ruby und zu meiner Überraschung Damian warteten schon auf dem Schulhof auf uns. Als Blake mich sah, grinste er bis über beide Ohren. Und ich fühlte mich umso schlechter. Doch auf dem Weg zur Schule hatte ich mir geschworen, Blake und mir eine Chance zugeben und Ryan einfach zu vergessen. So schwer konnte das ja nicht sein. Bevor Blake mich begrüßen konnte, kam schon Ruby auf mich zugestürmt. „Hallo Süße" sagte sie total hysterisch „Ich hab schon gehört… Du & Blake… Ach ich wünsche euch alles Gute!" Sie gab mir einen Kuss auf die Wange und drückte mich. Ethan zwinkerte mir nur zu. Die beiden gingen dann aufs Schulgebäude zu. Damian war mit Laura beschäftigt und sie warf mir einen verzweifelten Blick zu. Ich musste lachen. Damian schien sie sehr zu mögen, er hatte noch nie ein Mädchen so angesehen. Plötzlich stand Blake vor mir. „Hallo" sagte er leise. Bevor ich irgendetwas sagen konnte, drückte er mich schon einen Kuss auf den Mund. Ich war total baff, obwohl es eigentlich das normalste der Welt war. Wie gesagt, eigentlich. „Geht’s dir gut?" fragte er. „Jaja" antwortete ich schnell und auch wir gingen zum Schulgebäude.

In der Cafeteria saßen wir dann alle zusammen an einem Tisch. Damian war mal wieder mit Laura beschäftigt und sie schien es alles andere als toll zu finden. Immer wieder fielen mir ihre verzweifelten Blicke auf die sie mir zuwarf. Aber ich war mit Nachdenken beschäftigt. Ich hatte mich an Blake angelehnt und die Augen geschlossen. Ryan wollte einfach nicht aus meinem Kopf verschwinden. Blake hatte die Arme um meinen Bauch geschlossen und grinste wie ein Honigkuchenpferd. Ich wusste, dass er dachte, mir würde es grade sehr gut gehen und dass ich den Moment genießen würde. Aber so war es nicht und das tat mir im Herzen weh. Ich wollte ihm nicht wehtun, aber das tat ich mit jedem Moment in dem ich bei ihm war.

„Michelle? Wollten wir nicht heute ins Einkaufszentrum gehen?" Ich öffnete ein Auge. Dann schloss ich es wieder. „Von mir aus können wir nach der nächsten Stunde los. Du hast doch auch nur noch eine oder?" „Klar" sagte sie und ich hörte wie Damian etwas flüsterte. „Weiß ich nicht" sagte Laura dann leicht genervt. „Frag Michelle" „Michelle, dürfte ich vielleicht mitkommen zum Einkaufszentrum. Ich wollte da sowieso noch mal hin." Dann öffnete ich meine Augen ganz. Ich sah Blake in die Augen. „Willst du dann auch mit?" „Wenn du mich schon so fragst." Sagte er und gab mir einen Kuss auf die Stirn. „Ich bin mit dem Auto da, wir treffen uns dann nachher auf dem Parkplatz, einverstanden?" Laura, Damian und ich nickten und machten uns auf zu unserer letzten Stunde, denn die Cafeteria war mittlerweile fast menschenleer. Die letzte Stunde verging wie im Flug. Auf dem Parkplatz warteten schon Damian und Blake. „Läuft da was zwischen euch?" fragte ich Laura und ich zeigte auf Damian. „Bloß nicht!" Sie schrie fast. Ich musste lachen. Zum ersten mal an diesem Tag. „Bitte" flehte sie mich an „Sitz hinten, mit mir zusammen. Ich brauche eine Damian-Pause." Wieder musste ich lachen. „Klar." Sagte ich und ich schilderte Blake kurz das Problem. Als Laura und ich hinten saßen, flüsterte sie mir schon was zu. Blake & Damian waren eh vertieft in irgendwelche Gespräche über Football und Eishockey. „Dir geht es nicht gut." „Nein, mir geht wirklich nicht gut." Und mir ging es wirklich sehr schlecht. „Du musst wissen, dass es bei mir auch … es läuft nicht… o Mann Brooklyn verwirrt mich einfach." Ich schenkte ihr kurz ein kleines Lächeln. „Wir sind schon etwas krank." Sie ging nicht auf meine Aussage ein. „Lass uns nachher zum See gehen, bitte." Die Betonung lag auf dem letzten Wort und sie flehte mich schon fast an. Ich hatte Angst davor, dorthin zu gehen, wo mich alles an ihn erinnern würde. Ryans Lachen, die Art wie er sich bewegte und wie er sprach. All das fühlte und hatte ich so klar vor meinen Augen wenn ich den See sah. „So wir sind da" sagte Blake nach einer Weile. Wir stiegen aus und Damian stürzte sofort auf Laura zu. Er bequatschte sie wiedermal und Laura warf mir abermals diesen verzweifelten Blick zu. Blake nahm meine Hand und zu viert schlenderten wir durchs Einkaufszentrum. Ryan konnte ich für einige Zeit vergessen. Irgendwann teilten wir uns auf. Damian wollte Laura unbedingt was zeigen und ich ging mit Blake in ein Cafe. Meine Beine fühlten sich schwer und sie taten weh vom ganzen Laufen. Laura hatte sich endlich ihre Kontaktlinsen gekauft und ich mir einen großen schwarzen Pulli. Blake nahm meine Hand und streichelte sanft über meine Finger. „Es war ein schöner Tag heute." Sagte er leise. „Ja, das finde ich auch." Sein Gesicht kam meinem immer näher. „Sag mir, wenn dir irgendwas nicht passt." Ich schluckte nur laut. Sein heißer Atem traf mein Gesicht. Plötzlich hörte ich jemanden kreischen und stampfen. Laut, sehr laut. Und als ich die Stimme erkannte, drehte ich mich abrupt von Blake weg. Es war Laura. „Was bildet der Arsch sich eigentlich ein, hä?" Sie setzte sich neben uns auf die Bank, und fluchte ohne Punkt und Komma. Mit einem lauten Lachen unterbrach ich sie dann. „DAS IST GARNICHT LUSTIG!" schrie sie. „Was ist denn passiert?" Laura fuchtelte wild mit den Händen in der Gegend rum und jetzt gab es auch für Blake kein Halten mehr. Laura warf ihm nur einen sehr bösen Blick zu und das brachte mich noch mehr zum Lachen. „Der Idiot wollte mich einfach küssen." Indem Moment kam Damian rein. Total verschwitzt und hektisch. „Laura, ich wollte doch nur etwas ausprobieren." Nun stand Laura auf und Blake & ich rollten uns auf der Bank vor Lachen. „Jetzt mach bloß nicht Edward Cullen nach. Den kann nämlich NIEMAND nachmachen. Hörst du, NIEMAND." Und dann klatschte es auch schon. Laura gab Damian eine deftige Ohrfeige. „Geb doch zu dass es dir gefallen hat." Er grinste frech und Damian war kurz davor, sich noch eine einzufangen aber dann rauschte er ab. Laura wurde feuerrot. Blake und ich hatten uns immer noch nicht eingekriegt. Meine Schwester setzte sich wieder und verschränkte die Arme vor dem Oberkörper. „Ich will jetzt nach Hause." Blake setzte sich langsam wieder auf, mit Tränen in den Augen, vor Lachen. „Ja, dann erfüllen wir dir mal deinen Wunsch." Wir standen alle drei auf und gingen aus dem Cafe. Als wir am Auto waren, war ich immer noch nicht zu bremsen. Laura boxte mich. „Ey, ganz ruhig du aufgescheuchtes Ding." Wieder bekam Blake einen bösen Blick von Laura. Wenn böse Blicke töten könnten… dachte ich mir. „Blake, lass Laura und mich bitte bei dir raus. Wir müssen noch was erledigen." „Klar" meinte er nur kurz und wir fuhren los. Laura fluchte immer noch aber niemand nahm es wirklich war. Blakes Haus war nicht weit entfernt vom Einkaufszentrum und wir waren schnell da. Als wir wieder ausstiegen flüsterte Blake Laura irgendetwas zu. „Okay, aber macht bitte nicht zulange." Hörte ich sie flüstern. Dann drehte meine Schwester sich um und ging. Ich wollte hier hinterher gehen doch Blake stütze seine Arme links und rechts neben meinem Kopf ab, so dass ich an seinem Auto lehnte. „Wir wurden vorhin leider unterbrochen." Ich nickte eine Spur zu hastig und er musste grinsen. Diesmal kam er nicht langsam näher. Seine Lippen lagen auf meinen, viel zu schnell für mich. Ich drückte ihn weg. „Blake." Stieß ich entsetzt aus. „Hm" Er grübelte. „Du magst es eher romantisch, soso." Nun nahm er vorsichtig mein Gesicht in seine großen Hände. Dann war ich diejenige die grinsen musste. Seine Lippen berührten meine, ganz leicht und vorsichtig. „Du hast es verstanden" flüsterte ich in den Kuss hinein. Der Kuss wurde immer leidenschaftlicher und drängender. Ich schlang meine Arme um seinen Nacken und er legte seine Hände um meine Taille. Man hörte jemanden Räuspern. Ich wollte mich umgucken doch Blake zog mich an seine Brust. Ein paar Minuten standen wir einfach so da. Und nun war ich mir eigentlich sicher, Blake wirklich zu lieben, aus tiefstem Herzen. Er war lustig, charmant, und rücksichtsvoll. Genau das, was ich brauchte. Irgendwann kam Laura dann. „Ich hab gesagt ihr sollt nicht so lange machen." Ich gab Blake schnell noch einen flüchtigen Kuss, dann ließ ich mich von Laura mitziehen. „Alles okay bei dir?" fragte sie mich. „Ja" erwiderte ich glücklich. „Ich werde Ryan vergessen und die ganzen Träume. Es sind nur Träume Laura. Sie machen unser ganzes Leben durcheinander obwohl es so schön sein kann." „Du hast Recht. Lass uns noch einmal zum See gehen und dann schließen wir mit der Sache ab, einverstanden?" Sie hielt mir ihre Hand hin. Ich schlug ein. „Einverstanden." Wir waren fast da, als Laura wieder anfing sich aufzuregen. „Also, es war ja unglaublich. Dann quetsch der mich einfach gegen die Wand und fängt an mich abzuknutschen. Unglaublich. Und dann kann der auch noch so schlecht küssen. Also wirklich dass war so…" Ich musste wieder mal lachen. „Ja er ist wirklich etwas krank. Aber überleg doch mal er…" Meine Stimme versagte. Zwei wunderschöne Jungen standen auf dem Gehweg und kamen uns entgegen. Es waren Ryan und Brooklyn. Auch Laura starrte sie an. Dann erkannten sie uns. ‚Michelle’ sagte Ryan lautlos. Ich nickte. Laura ging sofort zu Brooklyn und nahm ihn in den Arm. Einfach so. Und dann fing sie an zu reden über Damian und warum er immer in ihren Träumen auftaucht. Brooklyn grinste. Aber im Endeffekt hatte ich nur noch Augen für Ryan. Langsam kam er auf mich zu. Seine Tasche stellte er auf den Boden. „Was machst du hier?" Mein Gesichtsausdruck gleichte dem eines Affens. „Brooklyn und ich suchen eine Bleibe… in der Nähe… von euch. Kennt ihr da was?" Laura schien zugehört zu haben. „Michelle, gibt es da nicht den Dachboden bei uns? Der wäre doch perfekt." Bevor ich irgendetwas sagen konnte, hatte Brooklyn schon genickt. „Du siehst glücklich aus, glücklicher als in den letzten Tagen." Bemerkte Ryan. „Ja" sagte ich. Und nun wusste ich nicht ob es an Blake lag oder an Ryan. Ich wusste nicht warum ich auf einmal ein Dauergrinsen im Gesicht hatte. „Ich habe dich sehr verwirrt. Das weiß ich und es tut mir unheimlich Leid. Aber damit ist ab heute Schluss." Ryan nahm mich in seine großen Arme. Es tat gut zu wissen, das er nun wirklich da war. Und ich würde ihn nie wieder gehen lassen. „Du hast mir einiges zu erzählen." Flüsterte ich. „Ja, das haben wir." Er sprach im Plural und ich wusste dass er Brooklyn und sich meinte. „Lass uns das bei dir zu hause machen. Hier ist kein schöner Ort für so was." Verächtlich schaute er auf den See. Er nahm wieder seine Tasche und hielt mir seinen Arm hin. Ich hakte mich ein. „Danke" sagte ich leise. Er grinste. „Wofür?" „Dafür dass du jetzt da bist." Er gab mir einen Kuss auf den Kopf und grinste immer noch. Und ich, ich war überglücklich. Langsam liefen wir in Richtung Sonnenuntergang und in eine gefährliche Zukunft…

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